TV-Oscars: ARD-Filme dominieren Grimme-Preise - DER SPIEGEL
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TV-Oscars ARD-Filme dominieren Grimme-Preise

Gleich drei ARD-Fernsehfilme erhalten in diesem Jahr den Grimme-Preis in Gold. Der sogenannte deutsche Fernseh-Oscar wird auch an die Comedy-Serie "Stromberg" (ProSieben) verliehen, es ist die einzige Auszeichnung für einen Privatsender bei der diesjährigen Verleihung.
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Düsseldorf - Man wirft dem Grimme-Institut in Marl oft vor, bei der alljährlichen Verleihung seiner Preise die öffentlich-rechtlichen Sender allzu sehr zu bevorzugen. Da die privaten Sender jedoch ihre Eigenproduktionen im TV-Movie-Bereich in den vergangenen Jahren teils radikal zurückgefahren haben, verwundert es nicht, dass auch die Grimme-Preise für das Jahr 2005 wieder an die gebührenfinanzierten Programme gehen, in diesem Fall an die ARD: Die Fernsehfilme "Hierankl" (BR/Arte/SWR), "Marias letzte Reise" (ARD/BR) und "Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel" (ARD/BR) erhalten jeweils den Grimme-Preis in Gold.

Als einzige Produktion der Privatsender wurde die Comedy-Serie "Stromberg" (ProSieben) ausgezeichnet, wie das Adolf-Grimme-Institut heute bekannt gab. Einzelauszeichnungen gingen an fast ein Dutzend Schauspieler, darunter an Barbara Sukowa in Hans Steinbichlers "Hierankl". Die Preisverleihung findet am 31. März im Theater der Stadt Marl statt.

Man habe lange kein so phantastisches Fernsehjahr mehr sichten dürfen, sagte der Direktor des Adolf-Grimme-Instituts, Uwe Kammann: "Es gibt sehr viel gutes Fernsehen." Besonders hoch sei das Niveau der Fernsehfilme, "das auch international seinesgleichen sucht". Von den Privatsendern wünsche er sich allerdings mehr Innovationen, sagte Kammann. Ein Dauermangel sei Weiterhin zu beklagen: Das Fehlen von brillanten, intelligenten und amüsanten Unterhaltungssendungen.

Mit fünf Grimme-Preisen ist der Sender Arte Spitzenreiter vor ARD und ZDF mit jeweils vier ausgezeichneten Beiträgen. Der Bayerische Rundfunk ist bei allen drei Gold-Preisen beteiligt, jeweils zwei Auszeichnungen gehen an WDR, SWR und RBB. Ausgezeichnet für "Marias letzte Reise" werden Hauptdarstellerin Monica Bleibtreu stellvertretend für das gesamte Darstellerteam, Autorin Ariela Bogenberger und Regisseur Rainer Kaufmann.

Die Grimme-Preise für "Hierankl" gehen an die Schauspieler Barbara Sukowa, Johanna Wokalek, Josef Bierbichler und Peter Simonischeck, Kamerafrau Bella Halben und Autor und Regisseur Hans Steinbichler. Für den "Polizeiruf"-Krimi "Der scharlachrote Engel" werden Drehbuchautor Günter Schütter, Regisseur Dominik Graf sowie die Darsteller Michaela May, Edgar Selge und Nina Kunzendorf ausgezeichnet. Ein weiterer Gewinner in der Kategorie "Fiktion & Unterhaltung" ist der ZDF-Film "Die Nachrichten" von dem drei Mal nominierten Regisseur Matti Geschonneck, der auf dem gleichnamigen Buch des SPIEGEL-Redakteurs Alexander Osang basiert.

Für Dominik Graf ist es bereits der fünfte Grimme-Preis, sein Kollege Andreas Kleinert, der für den "Polizeiruf 110: Kleine Frau" ausgezeichnet wird, ist es der vierte. Heinrich Breloer ("Die Manns"), der mit sieben Grimme-Preisen den Rekord hält, ging mit dem Mehrteiler "Speer und er" hingegen leer aus.
Grimme-Chef Kammann sagte, es habe in der Jury viel Kritik für den Film gegeben. Man habe das Gefühl gehabt, "dass er seinem Gegenstand zu nahe gekommen ist".

Im Wettbewerb "Information & Kultur" geht ein Preis an die Reportagereihe "Abenteuer Glück" (ARD/WDR) von Annette Dittert, die auch den Publikumspreis der "Marler Gruppe" erhält. Weitere Gewinner sind Klaus Stern für "Weltmarktführer - die Geschichte des Tan Siekmann" (ZDF), Eugene Jarecki für "die story: Why we fight - die guten Kriege der USA" (WDR/BBC/Arte), Michael Richter für die Reportage "Abschiebung im Morgengrauen" (NDR) sowie Loretta Waltz für die Dokumentation «Die Frauen von Ravensbrück" (MDR/RBB/SWR).

Preise in der Kategorie "Spezial" vergab die Jury an Claire Doutriaux für das Kulturmagazin "Karambolage" (Arte), an Justin Webster und Daniel Hernández für die Dokumentation "FC Barcelona" (ZDF/Arte/BBC/TVC/NTS) sowie das Team der Reihe "Durch die Nacht mit..." (ZDF/Arte). Der Sonderpreis "Kultur" des Landes NRW geht an Artem Demenok für " Welthauptstadt Germania" (RBB/Arte/SWR). Die besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes erhält Elke Heidenreich, ein Förderstipendium von Mercedes-Benz der 28-jährige Regisseur Alejandro Cardenas-A. ("Alias Alejandro").

Aus mehr als 600 vorgeschlagenen Beiträgen des TV-Jahres 2005 hatten drei unabhängige Nominierungskommissionen 56 Produktionen und spezielle TV-Leistungen in den drei Sparten "Fiktion", "Information & Kultur" und "Unterhaltung" ausgewählt.

bor/ddp/ap/afp