TV-Serie "Damages": Extreme Rechtsausleger - DER SPIEGEL
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TV-Serie "Damages" Extreme Rechtsausleger

Alles, was Unrecht ist – und noch ein bisschen mehr: In der exzellenten TV-Serie "Damages" spielt Hollywood-Star Glenn Close eine korrupte Top-Anwältin. Selten war der Advokat im Fernsehen selbstbewusster – und gemeiner.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Götter in Weiß nannte man Ärzte früher mal, es muss ewig lange her sein. Wer heute Arztserien im Fernsehen anschaut, bekommt Nihilisten ("Dr. House"), Liebessüchtige ("Grey's Anatomy") oder gleich komplette Witzfiguren serviert ("Scrubs").



Bei den Advokaten ist das nicht anders: vorbei die Zeiten, wo das Court Room Drama noch eine moralische Anstalt war. In den großen Anwaltsserien wird heute vor allem menschliches Versagen bebildert. In "Shark" macht ein zynischer Rechtsanwalt als Strafverfolger Karriere, in "Boston Legal" mischen ein Dandy und ein sexbesessener Waffennarr die Gerichtssäle auf.

Und jetzt "Damages", eine neue, heute bei Kabel 1 startende Serie mit Glenn Close. Die 61-jährige Hollywood-Schauspielerin ("Eine verhängnisvolle Affäre") hat bereits TV-Erfahrung; in der Cop-Reihe "The Shield" spielte sie eine Polizeichefin, die von Korruption und Sexismus aufgerieben wird.

In "Damages" mimt sie den Schurken gleich selbst: Als Top-Anwältin Patty Hewes tritt sie mit ihrer Kanzlei gegen den Milliardär Arthur Frobisher (Ted Danson) an. Der ist ein Abzocker im Enron-Stil und hat seine Angestellten um Hunderte Millionen Dollar geprellt.

Aufs Maximum reduziert

Die Pointe: Frobisher und Hewes sind nur zwei Seiten derselben Medaille, die mit Machtgier und Gewalt beschrieben ist. Von den Verhältnissen sind alle durchdrungen, der Finanzmogul ebenso wie die Top-Anwältin.

Frobisher, Jeanshemden tragend und Hamburger verputzend, verkörpert perfekt den amerikanischen Frontiergeist; seine Business-Betrügereien sind nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum nächst größeren, lukrativeren Projekt. Profitmaximierung ist der Ethik überlegen, denn sie legitimiert sich selbst, so sein Kalkül.

Auch Frobishers juristische Gegenspieler setzen auf Ausbeutung, nur dass es bei ihnen vor allem die sogenannten Human Ressources sind, deren Menschlichkeit auf ein Maximum an Effektivität reduziert wird.

Glenn Close spielt Hewes als weiblichen Machiavelli, der die Kunst der Intrige zu einem buchstäblich tödlichen Spiel verfeinert hat. Es gab in der vergangenen Zeit einige imposante Bösewichte im Serienfernsehen, aber diese Anwältin ist an Hinterhältigkeit nicht zu überbieten. Folge um Folge schält "Damages" den Kern einer unglaublichen Verschwörung heraus, und es bedarf einer überragenden Aktrice wie Close, diese moralischen Abgründe auszuloten.

Dabei stellt sich im Lauf der Handlung ausgerechnet die von Hewes angeheuerte Junganwältin Ellen Parsons (Rose Byrne) als Gegenpart heraus. Ihre erst bereitwillige, dann erzwungene Verstrickung in den Fall macht aus "Damages" einen düsteren Bildungsroman, an dessen Ende nicht Aufklärung, sondern komplette Abgebrühtheit steht.

Moral? Egal

Man muss kein Schwarzseher sein, um in "Damages" einen neuen, pessimistischen Ton im Serien-TV zu erkennen. Nachdem der Agent ("24"), der Arzt ("Dr. House") und der Polizist ("The Shield") als moralische Instanzen abgebaut wurden, ist jetzt endgültig der Anwalt fällig. Korrupte Rechtsverdreher gibt es schon lange in den amerikanischen Medien, ihn aber derart konsequent ins Zentrum einer Erzählung zu rücken, ist neu.

Moralische Konflikte tragen die Figuren dabei nur mit sich selber aus. Das macht sie so tough – und furchtbar einsam. Dass der Zweck die Mittel heiligt, steht hier gar nicht mehr zur Debatte. Die Frage ist nur, wie man mit der zunehmenden Verstrickung in Schuld zurande kommt. Hewes und Parsons geben darauf unterschiedliche Antworten. Lösungen, im Sinne einer Läuterung, sind sie nicht.

Sie muss also weitergehen, die Höllenfahrt dieser Frauen - schon allein deshalb, weil sich die Staranwältin eine ebenbürtige Gegnerin herangezüchtet und -gezüchtigt hat. Die zweite Staffel ist auch bereits abgedreht, und es widerspräche komplett dem Gesetz dieser Serie, sollten ihre beiden rechtsextremen Heldinnen nicht noch ein bisschen fieser werden.


"Damages", montags, 21.10 Uhr, Kabel 1

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