TV-Serie "Rick & Steve" Sex mit Spielzeug
Lego fand's dann doch doof. Trotz aller dänischen Toleranz in Sachen Sex: Der Fabrikant von Kinderspielzeug verspürte offenbar wenig Lust darauf, dass ein Regisseur seine Plastikfiguren dazu benutzt, das Geschlechtsleben von Schwulen und Lesben nachzustellen - eindeutige Koitus-Positionen inklusive.
Nachdem Lego also seine Anwälte losgejagt hatte - so sagt Regisseur Q. Allan Brocka - musste er dann doch auf Männchen Marke Eigenbau setzen, um eine Animationsserie zu bevölkern, die sich voller Inbrunst und mit scharfem Humor dem gleichgeschlechtlichen Leben einer fiktiven Gay Community in den USA widmet. "Rick & Steve" läuft seit 2007 mit beachtlichem Erfolg auf dem MTV-Sub-Kanal "Logo" - und startet jetzt mit der zweiten Staffel auf TIMM, Deutschlands erstem Sender für Schwule.
Ein wenig erinnert "Rick & Steve" an den postmodernen Animationsklassiker "South Park", mit der die Serie in den USA auch häufig verglichen wurde. Das Tempo ist ähnlich hoch, die Gags konsequent politisch inkorrekt, in aller Regel nicht jugendfrei und voller popkultureller Anspielungen.
Nun wäre ein schwuler "South Park"-Klon allein ja kaum der Rede wert. Jede zweite TV-Soap im deutschen Privatfernsehen hat mittlerweile ihren Quoten-Schwulen und -Lesben, Produktionen wie "The L-Word" oder "Queer as Folk" gehören zu den Favoriten vieler Serien-Aficionados, und Ralf-König-Comics kennt auch jeder.
Das Besondere an "Rick & Steve" ist jedoch das selbstironische Spiel mit den Irrungen, Wirrungen und Hoffnungen homosexueller Neospießer. Alle Hauptfiguren sind fest verpaart und haben sich das Leben nett eingerichtet in West Lahunga Beach, einem neurotisch-progressiven Homosexuellen-Ghetto, wo die Clubs "Full Body Search" versprechen und politisch hyperkorrekte Lesben-Mamas ihre Babies nur in aller Öffentlichkeit stillen, denn sonst "macht's ja keinen Spaß".
Hier also leben Rick und Steve, beide Anfang 30, und sie sind, wie es im Titelsong heißt, "so schwul und glücklich, dass es schon trieft". Sicher, das Sexleben ist etwas öde, da könnte schon mal ein Dreier her. Den will zumindest Steve, wohingegen Rick, sein kreuzbraver Mann des Lebens, lieber auf glückliche Familie macht - zunächst mit Kätzchen Pussy, dann mit Kind.
Diesen Wunsch will ihm Kirsten erfüllen, die zum Unmut ihrer Freundin Dana, einer knallharten Butch-Lesbe aus dem Klischee-Buch, Mutti-Gefühle hegt. Das schwul-lesbische Sextett komplettieren der verbitterte Rollstuhlfahrer Chuck, 50 Jahre und HIV-positiv sowie sein 19-jähriger Toy Boy namens Evan ("Du hast mich geheiratet, als es cool war, einen Freund mit Aids zu haben!).
In dieser Gang nehmen sie dann ihren Lauf, die kleinen, absurden Beziehungsdramen. Und zwischen trauter Zweisamkeit und Klappen-Sex, Befruchtungswahn und web-öffentlicher Geburt, gemeinsam absolvierten Familienkreuzfahrten und Schwulenparaden, dürfte selbst beim härtesten Hardcore-Hetero eine Botschaft hängenbleiben: Die sind ja genauso spießig wie wir. Nur anders.
"Rick & Steve", TIMM, Start der zweiten Staffel am Donnerstag, 21.15 Uhr