TV-Serie "Surface": Zuviel Biss im Nass - DER SPIEGEL
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TV-Serie "Surface" Zuviel Biss im Nass

Wenn "Der weiße Hai" wieder auftaucht: Die neue ProSieben-Serie "Surface" erzählt davon, wie gefräßige Monster die Weltmeere unsicher machen. Monströs ist auch der Eifer der Macher, die ihre Story mit Effekthascherei und dramaturgischen Mängeln verwässern.
Von Peer Schader
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Man kennt das ja: Ein Haufen Teenager steigt mitten in der Nacht am Strand über irgendwelche Zäune, schnappt sich ein Boot und schippert raus aufs Meer. Alle sind betrunken und albern herum, einer fällt ins Wasser, die anderen lachen sich schief und merken nicht, wie ihr Kumpel von einem schwimmenden Ungetüm angefallen und mit einem Happs verschluckt wird. Wenn sich nachher noch einer heil an Land retten kann, will ihm dort natürlich keiner glauben, dass im Ozean ein Monster lauert. Erst nach dem dritten, vierten Opfer schwant den Behörden, dass man vielleicht besser den Strand absperren sollte, wenn ein paar der Touristen wiederkommen sollen.

Über dreißig Jahre ist es her, dass Steven Spielberg den weißen Hai auf die Leinwand losließ. Und manch ein Kinobesucher hat es sich beim nächsten Badeurlaub zweimal überlegt, ob er wieder so weit rausschwimmt wie beim letzten Mal. Spielberg konstruierte ein ebenso einfaches wie effektives Schockprinzip: Menschen haben Angst vor dem Meer, vor dem, was unter ihnen ist, wenn sie sich hilflos strampelnd an der Oberfläche bewegen. "Der weiße Hai" hat eine Menge trashiger Sequels und ebenso viele alberne Alligatoren- und Krakenfilme inspiriert. Kurios eigentlich, dass es so lange gedauert hat, bis jemand auf die Idee kam, daraus eine Serie zu machen.

Hai-Konzept fürs Fernsehen

"Surface" (Oberfläche) ist die erste in dieser Wassermonstertradition, was durchaus einen gewissen Charme hat, wenn man mal vom unglücklichen Titel absieht, der durch den deutschen Zusatz "Unheimliche Tiefe" noch unbeholfener wirkt. Wer sich nun auf einen "Weißen Hai" in Serie freut, wird jedoch enttäuscht. Denn das Spielberg-Gruselprinzip, das auch heute noch funktioniert, hat den Autoren nicht gereicht. Also haben sie kurzerhand ein bisschen Ungeheuer von Loch Ness und "Akte X" dazu gemischt – ohne zu merken, dass man mit soviel Inspiration schnell baden gehen kann.

Erzählt wird die Geschichte dreier Personen, die unerwartet mit einer neuen Spezies konfrontiert werden. Meeresbiologin Laura Daugherty wird bei einer Tiefsee-Expedition in 5000 Fuß Tiefe von den Ungeheuern kräftig durchgeschüttelt und nachher von grimmig dreinschauenden Regierungsbeamten von ihrer Arbeit abgehalten. Taucher Richard Owens sieht mit an, wie eines der Biester seinen Bruder mitreißt und will den Viechern mal gehörig die Meinung sagen. Teenager Miles Bennett, der bei dem nassen Saufabenteuer zu Beginn der ersten Folge Bekanntschaft mit der reptilienartigen Lebensform macht, fischt eines ihrer Nachkommen aus dem Wasser, zieht es im heimischen Aquarium auf und gewöhnt sich an den neuen Freund. Erst im Laufe der Serie kreuzen sich die Wege der Protagonisten.

Enorme Größe, wenig Format

Richtig überzeugend ist das nicht: Die bildhübsche Biologin hat sich ihren Doktor – wie es sich in den USA gehört – durch Jahre langes Kellnern erschuftet und nimmt ihren Sohn im Grundschulalter wie selbstverständlich mit auf Monsterjagd. Der einsame Rächer Richard spürt den Ungeheuern nach, um den Tod seines Bruders zu vergessen, was ein bisschen widersprüchlich ist. Und der fiese Wissenschaftler, der sich vom Pentagon für die Geheimmission einspannen lässt, sagt Sätze wie: "Sie sind doch Meeresbiologin! Sie müssen wissen, dass das Leben nicht fair ist."

Schon nach Ansicht der ersten beiden Folgen ahnt man, dass die "Surface"-Macher ihren Badeschocker zum globalen Alien-Problem aufblasen werden, das von der Regierung vertuscht werden soll. Genau da hapert's mit der Glaubwürdigkeit. Als ein Monsterkadaver an einem Strand angespült wird, der daraufhin evakuiert werden muss, juckt es die Badegäste herzlich wenig, dass sie ohne Erklärung in Quarantäne genommen werden. Keine Spur von Panik oder Irritation, so als hätte beim Dreh einer vergessen, den Statisten zu sagen, dass sie ruhig ängstlich gucken dürfen.

Bald schon regnet's in der Ferne Monster ins Meer und die Biester, die man als Zuschauer zu Gesicht bekommt, werden im Minutentakt größer und gemeiner. Am Ende der zweiten Folge wird ein ahnungsloser Fischer gleich mit seinem ganzen Kahn verschluckt. Das ist dann doch ein bisschen ungeheuerlich. "Der weiße Hai" hat funktioniert, weil jeder Schockmoment sorgfältig vorbereitet und nachvollziehbar war. Das, was man nicht sah, war immer schlimmer als die eigentliche Attacke. An dieser Gruselperfektion reicht "Surface" trotz einiger unterhaltsamer Momente nicht heran.

Meer an Kritik

In den USA ist die NBC-Serie im vergangenen Jahr sang- und klanglos untergegangen. Die Presse verspottete "Surface" als "High-Concept-Action-Flop". Dass es eine zweite Staffel geben wird, gilt als unwahrscheinlich. ProSieben hofft dennoch, mit "Surface" seinen "Mystery-Montag" wieder beleben zu können, nach dem die Alien-Entführungsgeschichte "4400 – Die Rückkehrer" in den vergangenen Wochen nicht gerade für Quotenhochs sorgte.

Die eigentliche Ursache für den Mystery-Boom in den USA, der nun nach und nach ins deutsche Fernsehen schwappt, ist der ABC-Erfolg "Lost". Schade, dass die wenigsten Neuentwicklungen an die irritierende Robinsonade heranreichen. Die gute Nachricht ist: Im Herbst will ProSieben die zweite "Lost"-Staffel zeigen. Bis dahin immerhin sind die "Surface"-Monster eine nette Sommer-Alternative. Mit ein bisschen zuviel Biss.


"Surface – Unheimliche Tiefe". ProSieben. Pilotfolge heute, 21.15 Uhr. Weitere Folgen immer montags, 20.15 Uhr

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