TV-Talker Paul Sahner: Das Veronica-Blabla - DER SPIEGEL
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TV-Talker Paul Sahner Das Veronica-Blabla

Intim werden mit Veronica Ferres - das hatte sich Klatschreporter Paul Sahner ganz einfach vorgestellt. In der ersten Ausgabe seiner Talk-Sendung "... bitte mit Sahner" sollte die Filmdiva rhetorisch die Hüllen fallen lassen. Stattdessen gab es eine üble Gesprächsklamotte.
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Er ist Mitglied der "Bunte"-Chefredaktion und neben "Gossen-Goethe" Franz Josef Wagner wohl Deutschlands bekanntester Boulevard-Journalist: Paul Sahner, 62. Nach 40 Jahren Print-Klatsch und Stationen unter anderem bei "Bild", "Stern" und "Penthouse" gibt der schon mal als "Gottvater der Intimbeichte" ("taz") apostrophierte Gesellschaftsreporter nun sein Debüt als TV-Interviewer. Ursprünglich wollte der Mann, der uns die Plansch-Reportage von Rudolf Scharping und seiner Gräfin Pilati bescherte, seine Sendung "…aber bitte mit Sahner" nennen, was das Management von Udo Jürgens verhinderte; nun muss der Titel ohne "aber" auskommen.

Bühne für den spätberufenen TV-Newcomer: der Spartenkanal Das Vierte. Das im September 2005 gestartete, zur Mediengruppe NBC Universal gehörende Münchner Spielfilm-Senderlein (Claim: "Wir sind Hollywood") leitet seinen Namen aus dem eigenen kühnen Platzierungswunsch auf der Fernbedienung des Zuschauers ab. Bereits seit Februar 2007 zeigt der Kanal auch Zeichentrickfilme und Kochshows – nun soll Sahner augenscheinlich eine Brücke schlagen zwischen Traumfabrik-Anspruch und hiesigen Stars.

Als Gast der knapp einstündigen Auftaktsendung, die in einer Villa am Starnberger See aufgezeichnet wurde, hat Sahner sich die Schauspielerin Veronica Ferres eingeladen – und beginnt so, wie man seinen Arbeitsstil gemeinhin charakterisiert: ein bisschen devot-vertraulich, eine Finte in der Hinterhand.

"Veronica, wie wird man La Ferres?", formuliert er, um dann aus einem Zeitungs-Porträt der Schauspielerin zu zitieren. Dort heißt es, viele hätten sie lange für ein "naives Dummchen" gehalten, für die "bloß blonde Freundin eines berühmten Regisseurs" und "für eine mäßig begabte Aktrice" – selbstverständlich, bevor sie zu Deutschlands erfolgreichster Schauspielerin wurde, die sie ja heute sei. Ob sie sich von dem Text getroffen fühle, fragt Sahner scheinheilig. Aber damit kommt er bei Ferres nicht weit.

Fassade. Schade

"Glaubst du alles, was in der Presse steht", lacht sie ihn an, sieht in dem Text "eine Fremde" beschrieben und holt aus zu einem längeren Diskurs über die Nachteile des Starseins. Sagt Sätze wie "Meine Lebenszeit ist die Zeit, die der liebe Gott mir schenkt, und die fülle ich so aus, wie es für mich richtig ist" oder "Der Mensch ist nicht zum Alleinsein gemacht, hat schon Goethe gesagt, und ich schon gar nicht, als Zwilling dreimal nicht".

An dieser aphoristisch imprägnierten Fassade beißt sich Sahner die Zähne aus. Da hilft nicht das Prasseln des Kaminfeuers, nicht der viele Kerzenschein und auch der gelegentliche Dackelblick des "Königs des Klatsches" ("NZZ") bleibt wirkungslos. Dafür lernen wir, dass Frau Ferres sehr naturverbunden aufwuchs, eine schwierige Pubertät sowie eine existenzialistische Phase hatte, jedoch nicht in Schwarz rumlief, weil sie generell nichts von Uniformen hält.

Als Mann täte sie sich schwer mit Smoking und Krawatte, erzählt sie, sie käme dann wohl immer mit "’ner Serviette um den Hals". Da wagt Sahner ein wenig Altherren-Frivolität, wirft ein: "Schöne Vorstellung, Veronica Ferres nur mit Serviette um den Hals!" Es folgt ein Vorstoß ins Intime: "Wie lauft ihr denn zu Hause rum? In Trainingsanzügen, Bademänteln, wie muss man sich das vorstellen?

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet dieses Stochern im Privaten, das Ferres eingangs beklagte, nun das Gespräch belebt. Ausführlich berichtet Deutschlands erste Filmdiva vom morgendlichen Training und Duschen, enthüllt schließlich gar, dass ihr ihre Mutter auf dem Sterbebett den Mann ausgesucht habe. Auf dieser Ebene treffen sich die beiden: Sahner, der sich nicht scheut, zu fragen, ob sie sich freue, die Mutter "im Himmel wieder zu sehen", und Ferres, die allen Ernstes antwortet: "Ich stell mir den Himmel jetzt nicht so vor, wie es in den Kinderbüchern steht."

Viele Themen, ein Brei

So geht es weiter, ein Potpourri der Themen, bei dem am Ende alles gleich ist - gleich unbedeutend: Ferres’ schwere Hirnhautentzündung 1999, ihre Trennung von Helmut Dietl, die Sinnlichkeit des Katholizismus, die Weisheit des Papstes (den sie kennen lernen durfte) und die Größe Nelson Mandelas (dem sie die Hand schütteln durfte) - im Sahnerschen Parlando werden lebensweltlich und ideologische Differenzen eingeebnet. ".

"Du fühlst dich heute wie?", lautet die Abschlussfrage, und Ferres antwortet "sehr wohl" und spielt mit einem entsetzten Blick auf die Uhr Erstaunen, dass die Zeit schon vorbei ist. Dem Zuschauer geht das ein wenig anders. Von seinem Interesse allerdings wird abhängen, ob Sahners Talk-Karriere über die bislang feststehenden sechs Folgen (weitere Gäste: Hannes Jaenicke, Mario Adorf, Max von Thun, Christine Kaufmann und, in Planung, Senta Berger) hinausgeht.

Ob ihm mehr Glück beschieden ist als seiner Chefin, darf bezweifelt werden. Auch "Bunte"-Patronin Patricia Riekel hatte sich schon mal an einer Interview-Sendung versucht: "Bunte TV" wurde von der ARD im Frühjahr 2004 nach sechs Sendungen eingestellt.


"…bitte mit Sahner", Das Vierte, ab Mittwoch, 7. März, 22.20 Uhr beziehungsweise nach dem Primetime-Spielfilm