TV-Umfrage Ekel-Shows - pfui deibel!
Tauchen im Tümpel, Maden im Mund: Ekel-Shows im Stil des RTL-Dschungelcamps versprechen Zuschauern wohliges Gruseln und den Machern Einschaltquoten. Spätestens seit Daniel Küblböcks Kakerlaken-Bad schien die untere Geschmacksgrenze und ein Quoten-Hoch erreicht. Eine vom evangelischen Magazin "Chrismon" veröffentlichte Emnid-Umfrage unter 1000 Befragten beweist jedoch: 84 Prozent der Zuschauer lehnen solche Sendungen ab, nur 3 Prozent finden sie spannend oder unterhaltsam.
Laut Umfrage interessieren sich 36 Prozent überhaupt nicht für das Ekel-Entertainment, 26 Prozent finden es einfach abstoßend, 22 Prozent - also jeder Fünfte - fordert sogar ein Verbot. Der Ekel vor dem Ekel steigt dabei mit dem Alter der Befragten; wirklich unterhaltsam finden die auf Schmerz und Demütigung abzielenden Shows aber auch bei den jüngsten Zuschauern im Alter von 14 bis 29 Jahren nur schmale 6 Prozent.
Monika Hohlmeier, bayerische Kultusministerin, setzt auf das Urteilsvermögen, derartige Sendungen zu boykottieren. "Bei diesen Shows werden unter dem Deckmantel der Freiwilligkeit aus Mitspielern Menschen, mit denen gespielt wird", so die Politikerin gegenüber "Chrismon". Die TV-Moderatorin Barbara Hahlweg erklärte, sie werde ihre Kinder "so weit wie möglich von derlei Programmen fern halten."
Eine Folge dieses Trends zeigt sich vielleicht schon in der eher mäßigen Quote der "Dschungelcamp"-Nachfolgeshow "Fear Factor" bei RTL. Hatte "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" noch durchschnittliche Quoten von 20 Prozent, lag die erste Folge von "Fear Factor" mit 16,2 Prozent unter dem Senderschnitt. Ein Grund für die mangelnde Durchschlagskraft der Mutprobenshow könnte aber auch die drastische Entschärfung des US-Formats für den deutschen Markt sein. Ob die Ekel-Akzeptanz tatsächlich sinkt, wird sich wohl erst zeigen, wenn frische Extrem-Formate wie die amerikanische Schönheits-OP-Show "I want a Famous Face" nach Deutschland kommen.