Udo Walz Waschen, schneiden, leben
"Waschen, schneiden, leben" heißt das Werk von und mit Udo Walz. Und weil allein das Buch eines Promi-Friseurs ein besonderes gesellschaftliches Ereignis ist, lud Walz zum Verkaufsstart stilecht in die "Bar jeder Vernunft" ein. Sabine Christiansen folgte seinem Ruf, so wie Anouschka Renzi und Angelika Milster. Am Eingang gab es Küsschen links, Küsschen rechts. Und viel Empörung derjenigen, die trotz Anmeldung nicht reingelassen wurden und beleidigt abziehen mussten.
Viel haben sie nicht verpasst. Zwar las Otto Sander das Rapunzel-Märchen, Angelika Milster frisierte die "Banane", die berühmte Hochsteckfrisur der siebziger Jahre, und eine Jazzsängerin lieferte musikalische Unterhaltung. Aber was hat das mit Walz' Buch zu tun? Nicht viel, aber das scheint egal zu sein. Hauptsache man sitzt beieinander. Das Event zählt und nicht der Inhalt. Normalerweise wird auf Buchpräsentationen aus dem Buch gelesen, das den Anlass gibt. Auf die Idee, aus "Waschen, schneiden, leben" zu lesen, ist niemand gekommen. Vielleicht wollte Walz bewusst darauf verzichten. Er habe im Vorwege nachts Alpträume wegen des Buchs gehabt, bekannte er. Der Klatsch sei nicht spektakulär, "für ein richtiges Buch müsste ich meinen Beruf aufgeben."
"Waschen, schneiden, leben" dagegen könne man am Flughafen kaufen und dann am Strand liegen lassen, beschreibt Walz sein Werk in der "Bar jeder Vernunft". Das Publikum haut sich vergnügt auf die Schenkel. Doch der Satz ist bitterernst gemeint. Walz hat viel erfahren in all den Jahren, während er den Stars die Köpfe wusch. Doch er gibt nichts preis. Vermutlich haben ihn seine prominenten Kunden deshalb so lieb gewonnen. Sein Buch ist jedoch eine chronologische Ansammlung harmloser Anekdoten, wie der Waiblinger Bube in die Welt der Schönen und Reichen vorgedrungen ist.
Das Buch hätte ein erstklassiger Entwicklungsroman werden können über einen jungen Mann, der als Jungfriseur in St. Moritz anheuerte, der Marlene Dietrich die Wellen ins Haar ondulierte und Drinks von Rock Hudson schüchtern ablehnte. Chance verpasst. Echte Walz-Fans mögen vermutlich dieses Buch, oder sie trauen sich nicht, etwas anderes einzugestehen. Für den Rest gibt es keinen Grund zum Lesen - außer der seitenlangen Beschreibung eines Gulasch-Rezepts. So gut erklärt hat man das noch in keinem Kochbuch gelesen.
Udo Walz: "Waschen, schneiden, leben", Quadriga Verlag, Berlin, 128 Seiten, 34 Mark