Umstrittene TV-Serie Talfahrt der Wölfe
Istanbul - In den letzten Wochen registrierte die türkische Fernsehaufsichtsbehörde fast 14.000 Einsprüche von Zuschauern, die eine Absetzung der umstrittenen Serie "Tal der Wölfe" forderten. Einige Zeitungen spekulierten, die Fernsehsendung werde möglicherweise so rasch eingestellt, dass die für heute abend geplante zweite Folge der Staffel schon nicht mehr ausgestrahlt werde.
Die Kinoversion von "Tal der Wölfe" hatte im vergangenen Jahr in Europa für Debatten gesorgt. Der Rambo-Verschnitt mit dem türkischen Geheimagenten Polat Alemdar galt als nationalistisch, antiamerikanisch und antisemitisch. Der Film erzählte die Verschleppung türkischer Soldaten durch amerikanische Elitetruppen im Nordirak und den Rachefeldzug Alemdars an den Amerikanern. Das türkische Parlament schwärmte von dem Gemetzel. "Das wird in die Geschichte eingehen", lobte Parlamentspräsident Bülent Arinc den Film.
Doch diesmal ist alles anders. Am 19. Januar wurde der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink von dem 17-jährige Nationalisten Ogün Samast ermordet. "Leider gibt es Menschen in unserer Gesellschaft, die mit dem Mörder sympathisieren", sagte Außenminister Abdullah Gül Anfang Februar - um kurz darauf die auf dem Film basierende Serie "Tal der Wölfe" als Mischung aus primitivem Nationalismus und Gewaltverherrlichung zu kritisieren. Die Türkei hat offenbar Angst vor einem neuen Ogün.
"Die Spannungen in der Gesellschaft werden steigen", fürchtete auch Sirri Sakik, Politiker der Kurdenpartei DTP. Er meinte damit vor allem die Spannungen gegenüber Kurden, denn in der neuen Staffel der TV-Serie kämpft der türkische Geheimagent Alemdar gegen den "Terror" in der Türkei. Und damit vor allem gegen Kurden. Dies kritisierte nun, ganz offiziell, die türkische Fernsehaufsichtsbehörde: Die Serie propagiere eine "außergesetzliche Lösung" für den Kurdenkonflikt.
In der ersten Folge waren in der vergangenen Woche Überfälle der kurdischen Rebellengruppe PKK in Südostanatolien gezeigt worden, die als Motiv für Alemdars privaten Rachefeldzug gegen kurdische Terroristen und ihre Hintermänner dargestellt wurden.
albi/AFP