Kunstraub von Rotterdam: Urteil gegen Diebesbande
Kunstraub von Rotterdam Knapp sieben Jahre Haft für zwei Angeklagte
Hamburg/Bukarest - Ein Gericht in der rumänischen Hauptstadt Bukarest verhängte am Dienstag im Prozess um den Kunstraub in Rotterdam eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und acht Monaten für zwei der insgesamt sechs Angeklagten. Einer von ihnen, Radu Dogaru, ist damals in die Kunsthalle eingebrochen, der andere war der Fahrer des Fluchtautos. Gegen weitere Komplizen laufen separate Gerichtsverfahren, die Anfang Dezember fortgesetzt werden sollen. Ein Dieb ist weiterhin flüchtig.
Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor die Höchststrafe von 18 Jahren für einen der beiden Hauptverdächtigen gefordert. Der Prozess hatte bereits im Oktober begonnen. Damals hatten drei Angeklagte den Diebstahl vor Gericht gestanden. Zweimal musste er zuvor vertagt werden, weil die Verteidigung Verfahrensfehler angemerkt hatte.
Im Oktober 2012 hatten Diebe innerhalb von drei Minuten die Werke von Künstlern wie Henri Matisse, Paul Gauguin, Pablo Picasso und Claude Monet geraubt. Eine Überwachungskamera hielt fest, wie die Diebe mit der Beute verschwinden konnten.
Sicherheitsmängel im Museum, Pannen bei der Polizei
Dabei profitierten die Räuber von den Sicherheitsmängeln im Museum und von Pannen der Rotterdamer Polizei. Später trennten sie die Bilder aus den Rahmen heraus, verpackten sie in Kissenüberzüge und brachten sie nach Rumänien. Die Ermittler versuchten zunächst, die Bilder über ein fingiertes Kaufangebot sicherzustellen. Doch das scheiterte, weil die Diebe von einem der mitangeklagten Hehler gewarnt wurden.
Der Gesamtwert der Bilder wird von der Staatsanwaltschaft mit 18 Millionen Euro angegeben, Kunstexperten gehen von bis zu 100 Millionen Euro aus. Nach dem Diebstahl hatten die Täter die Bilder in Rumänien zum Kauf angeboten. Diese bekam Expertin Mariana Dragu vom Nationalen Kunstmuseum in Bukarest zu Gesicht, weil ein potenzieller Käufer sie schätzen lassen wollte. Dragu wandte sich umgehend an die Staatsanwaltschaft.
Olga Dogaru, die ebenfalls angeklagte Mutter des Hauptverdächtigen, hatte im März gestanden, die gestohlenen Gemälde in ihrem Badezimmerofen im ostrumänischen Dorf Carcaliu verbrannt zu haben, um nach der Festnahme ihres Sohnes alle Beweise zu vernichten. Später zog sie die Aussage zurück. Eine Untersuchung der Asche aus dem Ofen, die Pigment- und Leinwandreste enthalten haben soll, scheint jedoch zu beweisen, dass die Meisterwerke verbrannt worden sind.
Sind die Bilder bei einem Profi-Boxer?
Ob die Bilder nun tatsächlich dem Feuer zum Opfer fielen, ist unklar. Es kursieren verschiedene Geschichten - auch über einen möglichen Aufbewahrungsort in der Republik Moldau, Frankreich oder auch Belgien. Einer der Angeklagten hatte im Oktober zudem den Namen eines ukrainischen Profi-Boxsportlers genannt, dem er fünf der insgesamt sieben gestohlenen Gemälde habe übergeben lassen.
Im August hatte der Anwalt des Hauptverdächtigen einen Deal aushandeln wollen. Sein Mandant, Radu Dogaru habe den niederländischen Ermittlern gesagt: "Schicken Sie mich zurück in die Niederlande und ich gebe Ihnen fünf der Gemälde." Die Strafen in den Niederlanden für schweren Raub seien niedriger als in Rumänien. Seit Januar sitzen der Hauptverdächtige Radu Dogaru und zwei Mittäter in Bukarest in Haft.
Die Räuber verstehen offenbar nicht viel von Kunst: Einer von ihnen habe Matisse gar in Verbindung mit dem ähnlich klingenden Automodell "Matiz" gebracht, heißt es in einem Vernehmungsprotokoll der Staatsanwaltschaft.