US-Serie "Dark Angel": James Camerons Supergirl der Zukunft - DER SPIEGEL
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US-Serie "Dark Angel" James Camerons Supergirl der Zukunft

Was macht eigentlich... James Cameron? Erstmals wagte sich der "Titanic"-Regisseur ins schwierige TV-Geschäft und produzierte die futuristische Actionserie "Dark Angel".
Von Thomas Biebl
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie schon bei "Titanic", schlug James Cameron alle Experten-Prognosen in den Wind. Doch der eigenwillige Regisseur, der das Budget seines Untergangs-Epos bekanntlich um satte 100 Millionen Dollar überzog und seine eigene Gage aufs Spiel setzte, scheint auch diesmal trotz widriger Umstände erfolgreich zu sein.

Camerons TV-Debüt sei deshalb so riskant, weil - so Brancheninsider - "Filmemacher das Medium Fernsehen nicht verstehen". Jede Menge Beispiele belegen diese These: Steven Spielberg soff mit "Sea Quest" ab und Jerry Bruckheimer ("Stirb Langsam") scheiterte mit "Dangerous Minds". Cameron aber glaubt, mit "Dark Angel" tiefsitzende Ängste einer Hightech-abhängigen Gesellschaft ansprechen zu können.

Die Handlung der unlängst in den USA gestarteten Serie ist düstere Science Fiction. Terroristen haben per elektromagnetischem Impuls alle Kommunikations-Satelliten zerstört. Die Welt ist ein apokalyptisches (oder wie Cameron meint, "info-kalyptisches") Ruinenfeld. Polizei und Politiker verdingen sich an Höchstbietende, Anarchie herrscht global.

Wäre da nicht "Max", die Heldin der Geschichte. Sie ist das Produkt genetischer Experimente, Prototyp einer Rasse mit übermenschlichen Fähigkeiten. In der ersten Folge von "Dark Angel" wird im Flashback gezeigt, wie "Max" gemeinsam mit anderen Kindern aus der Brutanstalt flieht und seitdem auf der Flucht ist. Gejagt von einer Spezialeinheit der korrupten Regierung. Tagsüber verdient "Max" ihr Geld als Fahrradkurierin und nachts als Diebin. Ein Beutezug führt sie schließlich in die Wohnung von "Logan", einem idealistischen Guerilla-Journalisten. Die beiden schließen sich zusammen und bilden ein Team gegen die grassierende Korruption. "Max" wird von der 19-jährigen Jessica Alba dargestellt, die durch das Serien-Remake "Flipper" bekannt geworden ist. "Die richtige ‚Max' zu finden, war nicht leicht", so Cameron zu SPIEGEL ONLINE. "Wir wollten keine große, blonde, blauäugige Superfrau haben. Jessica ist deswegen so interessant, weil ihre Wurzeln nicht eindeutig erkennbar sind. Sie ist das genetisch produzierte Super-Girl der Zukunft".

Mit "Dark Angel" begibt sich der Kinoregisseur James Cameron ("Terminator", "The Abyss") auf einen schmalen Grat. Tim Brooks, der ein Buch über Fernsehsender in Amerika geschrieben hat, begründet seine Bedenken so: "TV und Kino spielen in einer unterschiedlichen Liga. Filmregisseure zeichnen Dinge größer und unrealistischer, als sie in Wirklichkeit sind. Fernsehen ist viel persönlicher. Schließlich laden wir die handelnden Personen in unser Wohnzimmer ein. Und wer möchte schon 'Dirty Harry' bei sich zu Hause haben". James Cameron hat sich mit seiner Produktionsfirma "Lightstorm Entertainment" jedoch intensiv auf das Risiko vorbereitet: "Seit ungefähr sechs Jahren spielen wir mit dem Gedanken eine TV-Serie zu produzieren. Aber wir hatten keine Eile und waren nicht scharf auf eine Blamage, die uns bei Voreiligkeit wahrscheinlich gedroht hätte."

So holte Cameron gleich zwei Fernseh-Veteranen zu sich ins Boot: Den Fernsehsender "Fox", der händeringend einen Anschlusserfolg für seine in die Jahre gekommene "Akte-X"-Serie sucht, und den Fernseh-Produzenten Charles H. Eglee ("Murder One"), der zusammen mit Cameron die Story zu "Dark Angel" schrieb.

"Fox" hat Unsummen in die Serie gesteckt und bewirbt "Dark Angel" aggressiv. Zusätzlich wurde darauf bestanden, die Serie "James Cameron's Dark Angel" zu nennen. Kein Wunder, denn bei einem 10-Millionen-Dollar-Budget, doppelt so viel wie bei vergleichbaren Serien, geht es für den Sender darum, seine starke Position im hart umkämpften TV-Markt halten zu können.

Jegliche Sorge scheint jedoch unbegründet: Als "Dark Angel" das erste Mal ausgestrahlt wurde, schalteten sich auf Anhieb beachtliche 17,3 Millionen Zuschauer ein. Bemerkenswert, denn zur gleichen Zeit waren andere "Schwergewichte" im Rennen: Al Gore und George W. Bush, die sich ein TV-Rededuell zur Präsidentschaftswahl lieferten. Und noch ein weiteres Indiz gibt es für einen möglichen Erfolg: James Cameron überschritt zum ersten Mall in seiner Karriere nicht das vorgeschriebene Budget...

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