US-Wahlen: Kleider machen Kandidaten - DER SPIEGEL
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US-Wahlen Kleider machen Kandidaten

Grellbunte Jackets gegen gedeckte Farben: Im US-Wahlkampf ist einer wahrer Kampf der Klamotten ausgebrochen. Vor allem die demokratischen Kandidaten liefern sich ein Duell, bei dem jeder modische Fehltritt mindestens so wichtig ist wie das Wahlprogramm.
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New York - Kleider machen Leute, selten war diese Binsenweisheit so wahr wie heute. In den USA machen Kleider sogar Kandidaten: Kein noch so winziges Detail wird bei der Präsidentschaftswahl dem Zufall überlassen, schon gar nicht die Garderobe der Kandidaten - und vor allem nicht die der Kandidatin.

Hillary Clinton liebt es, sich in Signalfarben in Szene zu setzen. Knallrot, Quietschgelb, Leuchtendblau, das sind die Farben, mit denen sie sicher sein kann, im Mittelpunkt zu stehen. Das Problem dabei ist nur - bei den Wählern kommt dieser Kanarienvogelaufzug nur mittelprächtig an. "Wenn es ums Aussehen geht, werden weibliche Kandidaten traditionell anders beurteilt als männliche", sagt Politikprofessorin Sarah Brewer von der American University in Washington.

Mehr als alle anderen Bewerber muss sich Clinton deswegen in den US-Medien Kritik an ihrer Kleidung anhören. Das geht von Lästereien über ihre Vorliebe für knallige Jackets bis hin zu einer der Lieblingsbeschäftigungen des Boulevards, dessen Opfer normalerweise Hollywoodstars sind: Spekulationen über den Einsatz des Hautstraffungsmittels Botox.

Männliche Bewerber wie Clintons Rivale Barack Obama oder der Republikaner John McCain werden von derlei Kritik verschont. "Die Menschen in den USA wollen, dass ihr Präsident wie der Vorstandsvorsitzende eines Traditionsunternehmens aussieht", sagt US-Imageberaterin Sally Steward. "Für Männer bedeutet das: dunkelblaue Anzüge, weiße Hemden, rote Krawatten - aber nicht zu kräftig."

Besonders Obama wird diesen Anforderungen mühelos gerecht. Er trägt stets ein blütenweißes Hemd unter seinem perfekt sitzenden schwarzen Anzug. Dazu eine dezente, aber geschmackvolle Krawatte - fertig ist der seriöse Staatsmann. Dabei gelingt ihm stets das Kunststück, seine Kleidung so zu wählen, dass sie seine Persönlichkeit positiv unterstreicht. Nichts lenkt ab, und doch wirkt Obama dabei nicht langweilig oder konturlos.

Frauen haben es da sehr viel schwerer. Stewards Rat an Kandidatinnen: "Geschäftsmäßig, feminin, aber nicht zu viel Schmuck." Zu wenig Modebewusstsein wirke unweiblich, zu viel davon wirke indes abgehoben. "Ein Seidenschal etwa wäre schon zu schick", warnt Steward.

Clinton versucht den Erwartungen des bodenständigen US-Publikums gerecht zu werden, indem sie die oft gewagtere europäische Mode meidet - und sich bei der New Yorker Business-Designerin Nina McLemore einkleidet. Vor allem in letzter Zeit trat sie immer öfter in dezentem Schwarz oder Grau auf.

"Bei dieser Wahl spielt vielleicht erstmals seit dem Duell Kennedy-Nixon 1960 das Aussehen eine wichtige Rolle", sagt der Chicagoer Stilberater Tom Kolovos. Wenn das so ist, dann hat wohl Obama die besseren Karten: Er wird stets für sein blendendes Aussehen gerühmt - genau wie damals John F. Kennedy

hoc/AFP