Verhafteter Künstler Ai Weiwei China verbittet sich Kommentare der Außenwelt
"Circle of Animals/Zodiac Heads": Kunst zwischen Wolkenkratzern
Foto: SHANNON STAPLETON/ REUTERSHamburg/Peking/New York - China hat sich gegen jegliche Einmischung im Fall des inhaftierten regierungskritischen Künstlers Ai Weiwei verwahrt. Der Fall werde untersucht, "und die Außenwelt sollte nicht regelmäßig Kommentare zu diesem Thema abgeben", sagte eine Außenamtssprecherin am Donnerstag in Peking. Bei der Eröffnung einer Ausstellung mit Skulpturen Ais in New York forderte Bürgermeister Michael Bloomberg die Freilassung des Regierungskritikers.
China hoffe, dass das Ausland die "juristische Souveränität" des Landes respektiere. Der Fall Ai werde "in Übereinstimmung mit dem Gesetz" gehandhabt. Am Donnerstag traf der österreichische Kanzler Werner Faymann in Peking ein. Vor seiner Reise hatte er angekündigt, den Fall des regimekritischen Künstlers bei seinen Treffen mit Ministerpräsident Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao ansprechen zu wollen.
Ai Weiwei war Anfang April in Peking wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen festgenommen worden, als er über Hongkong nach Deutschland reisen wollte. Seither wird er an einem unbekannten Ort festgehalten. Sein Schicksal ist ungewiss. Der international bekannte Künstler ist einer der prominentesten Kritiker der Regierung in Peking.
Derweil wurde auch in New York ein Kunstwerk Ai Weiweis aufgestellt. Die Skulptur "Circle of Animals/Zodiac Heads" steht unter freiem Himmel und zeigt zwölf Köpfe der chinesischen Tierkreiszeichen auf Marterpfählen. Sie wurde am Pulitzer Springbrunnen vor dem Plaza Hotel an der Fifth Avenue errichtet und soll von Mitte Juli an durch die USA wandern.
"Die chinesische Regierung würde gut daran tun, den Menschen in China die gleichen Freiheiten der Meinungsäußerung zuzugestehen, wie wir hier" sagte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg bei der Eröffnung der Ausstellung. Zwölf Künstler vertraten Ai Weiwei und lasen Auszüge aus seinem Blog und aus Interviews mit ihm vor, schrieb die "New York Times".
Seit dem Erscheinen anonymer Aufrufe zu regelmäßigen Protesten im Februar hatte die Regierung in Peking ihr Vorgehen gegen Kritiker verschärft. Seitdem wurden zahlreiche Menschenrechtsaktivisten und Anwälte festgenommen. Der jüngste Fall ist der des Menschenrechts-Anwalts Li Xiongbing, der Opfer religiöser Verfolgung vertreten hatte. Nach Angaben seiner Frau wird er seit Mittwoch vermisst.