Verstehen Sie Haas?: Die Rettung heißt iPatsch - DER SPIEGEL
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Patente & Gesten: iPatsch - der Kurs

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Verstehen Sie Haas? Die Rettung heißt iPatsch

Apple hat ja bekanntlich ein Händchen für Kontrolle. Aber dass sich Steve Jobs jetzt zahlreiche Gesten für die Touchscreen-Bedienung patentieren lässt, ist schon ein Schlag ins Gesicht. Denn die Folgen werden drastisch sein: Wedeln? Winken? Wischen? Vergessen Sie's!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hey, Sie! Wie fingern Sie denn gerade auf Ihrem iPhone herum! Von Apple haben Sie das aber nicht gelernt. Der Konzern hat sich gerade x Gesten  patentieren lassen, mit denen man auf Touchscreens angemessen agiert. Und Ihre knotige Handhaltung - also die war da so nicht vorgesehen.

Wenn demnächst der Messias in Gestalt des iPad auf uns kommt, dann wird sich auch die Handarbeit grundlegend verändern. Das Tippen mit Daumen und Mittelfinger, das Spreizen von zwei Fingern oder das Wischen mit der Hand von rechts nach links sind dann keine unschuldigen Gesten mehr. Es sind gewerblich geschützte Aktionen.

Man weiß, wie durchsetzungskräftig die Rechtsabteilung von Apple ist. Es soll sogar eine Art Betriebsgestapo geben, das sogenannte Worldwide Loyalty Team. Von diesen Leuten lässt man sich dann besser nicht erwischen, wenn man zum Beispiel einen Fussel von der Tischplatte wedelt. Das ist nämlich die "Find Next"-Bewegung (siehe oben im Bild).

Überhaupt wird unsere Körpersprache sehr viel knapper werden: Den Kindern am Zug bye bye winken - besser nicht. Ist nämlich die "Find Previous"-Operation mit der "Find Next"-Geste kombiniert.

Ein System mit Haken

Ebenfalls gefährlich: Anführungszeichen in die Luft haken. Typische "Scroll"-Geste. Kann teuer werden. Oder zärtlich dem Partner Buchstaben auf den Rücken schreiben: entfällt. Das lässt sich sofort als "Copy"-, "Tab"- und "Point/Click"-Moves deuten.

Richtig schlimm wird es aber erst, wenn Apple Google kauft und Zugang zu allen Street-View-Daten bekommt; die Taubstummen, die sollen sich schon mal warm anziehen. Die Hälfte ihres Alphabets können die dann nämlich vergessen.

Ganz schlimm sieht es für Schattenspieler aus: Mach mal einen Fuchs oder ein Schiffchen, ohne "Text Point" oder "Replace" zu verwenden. Kannst du knicken - und zwar deine Finger.

Ebenfalls übel dran: Gang-Mitglieder in urbanen Krisengebieten. In Los Angeles erkennen die sich ja hauptsächlich an ihren Handzeichen (siehe Video). Das wird jetzt schwierig: Spreizt du einmal kurz die Finger für dein Gang-Logo, schon sieht das nach "Replace" oder "Drag/Double Click" aus. Und dann musst du richtig blechen.

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Zugegeben: Der Fingerablass hat unter Umständen auch zivilisierende Wirkung. Den ausgestreckten Mittelfinger wird sich niemand mehr erlauben, wenn er eine Patentklage an den Hals kriegt ("Eindeutig das Redo-Zeichen!"). Auch das beiläufige Grabschen bei Kolleginnen wird schwieriger: So ein verdecktes Streichen über Rücken und Kopf von Sekretärinnen/Praktikantinnen kann ganz leicht als "Global Replace"- oder "Refresh"-Operation ausgelegt werden.

Eine Geste hätten die Leute von Apple allerdings gerne haben können: den hoch gereckten Arm mit flach ausgestreckter Hand. Diese Haltung braucht keiner mehr - schon gar nicht in unserer aufgeklärten digitalen Moderne.

Ansonsten empfehle ich: iPatsch. Von mir absolut kostenlos für Sie. Einfach auf die Fotostrecke klicken.

Damit Sie auch in Zukunft Ihre Kommunikation frei gestalten können. Hand drauf.