Verstehen Sie Haas?: Frauen, das wird euch stinken! - DER SPIEGEL
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Verstehen Sie Haas? Frauen, das wird euch stinken!

Frauen sind auf dem Vormarsch, in Politik, Wirtschaft, Kultur. Warum riecht Parfumwerbung dann aber nach wie vor nach Schwachsinn? Ein bildkritischer Schnupperkurs.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich bin immer in Sorge um die Frauen. Sie haben soviel Verantwortung, soviel zu tun. Sie machen Karriere (Clinton), regieren die Welt (Merkel) und sehen dabei noch toll aus (Fernández). Wir Männer haben ausgespielt, sind unrasiert (Beck), welk (Münte) oder einfach verwirrt (Lafontaine). Ist vermutlich gut so: Rund 4000 Jahre Patriarchat und immer noch kein Mittel gegen Krebs, keine Methode gegen den Welthunger. Stattdessen Bush, Bohlen und RTL II. Wir haben unsere Chance gehabt.



Dennoch: Man darf nicht verzweifeln, auch wenn das Schuldgefühl maßlos ist. Etwas Kleines beitragen zur kommenden Ära weiblicher Integrität, das ist es. Ich zum Beispiel überwache die kulturelle Sphäre, prüfe sie auf ihre asozialen, unterdrückerischen, nach Zigarre und Sockenmief riechenden Ungerechtigkeiten. Da fällt einem natürlich sofort die Parfumwerbung ins Auge.

Was da an Frauenbildern kursiert, das wird selbst einem wie mir, der mehrfach in seiner Laufbahn das Wort "Schnäuzelchen" in Texte eingeschmuggelt hat, zu viel. Als mir klar wurde, wie im Namen des Duftes Frauen gegängelt werden, habe ich unter meinen Kolleginnen sofort ein Parfumverbot verhängt. (Es heißt jetzt, ich sei ein autoritärer Macho, aber für eine ordentlich kapitalismuskritische Aktion nehme ich schon mal einen Imageverlust in Kauf.)

Vier Grundtypen der Bloßstellungs-Ikonografie sind zu unterscheiden:

1. Die Beladenen. Sie tragen Flakons, so groß wie Benzinkanister; die Prada-Tasche möchte ich sehen, in die so ein 40-Liter-Fass reinpasst. Ideologisch ist das Ganze eine Katastrophe, orthopädisch ebenfalls: Was wird diesen anorektischen Model-Handgelenken eigentlich zugemutet? Und was sagt diese Inszenierung? Ich trage schwer an meiner Schönheit? Ich hab ein Händchen für unpraktische Accessoires? Ich bin zu blöd, um Mengenangaben (50 ml/50 l) zu unterscheiden?

2. Die Unpraktischen. Sie schleppen groteske Kleider mit sich herum, vorzugsweise mit Schleppe. Sie tragen Fummel, die sich Lagerfeld noch nicht mal im LSD-Rausch ausdenken könnte. Selbst vor sinnlosen Hüten wird nicht haltgemacht: Eine Frau mit Katzenkappe - seit wann arbeitet Edmund "Muschi" Stoiber in der Werbung?

3. Die Verstrahlten. Warum trägt ein Model Handschuhe, wenn es sich doch parfümieren will? Was gibt bei so einem Bild den Ausschlag? Ausschlag? Wurstfinger? Ein ledriges Verständnis von Erotik? Oder die Laser-Leuchtspur-Ästhetik, die die Parfum- von der Handy-Reklame geklaut hat: Mein Parfum ist radioaktiv, verkünden diese Bilder. Man zielt also auf den iranischen Markt - anders kann ich mir das nicht erklären.

4. Die Zombies. Sie haben den Teint der Wasserleiche, kombiniert mit dem Blick des Scharfrichters beziehungsweise einer Schalterbeamtin kurz vor dem Migräneanfall. Wenn sich dieser Stil durchsetzt, ist der sozialen Verrohung Tür und Tor geöffnet: "Mami ist seit drei Wochen in der Wanne", so einen Satz wird man dann des Öfteren hören - von verwahrlosten Kindern, die vor verschlossener Badtür auf das Erscheinen eines Gespenstes warten. Einzig denkbarer Ort für diese Bilder: Parfumabteilung Guantanamo.

Und wer ist an allem schuld? Die Männer wahrscheinlich. Man sieht es vor sich: Wie sie in Werbeagenturen landauf landab den Pheromonen frönen und träumen von Eva Herman. (Männerparfum-Werbung ist im Vergleich übrigens immer bestrickend nüchtern: Man sieht den XY-Chromosomenträger in voller Schönheit. Keine Faxen, keine Fummel. Nur er, sich selbst genug.)

Wie gut, dass ihr wenigstens mich habt! Ja-ha, Mäuselchen! Ich habe den richtigen Riecher für euch und eure Notlagen. Und wittere immer eine Chance, etwas beizusteuern zu einer besseren Welt.

Schnief.

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