Verstehen Sie Haas?: Späher im Roggen - DER SPIEGEL
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Verstehen Sie Haas? Späher im Roggen

Söldner gesucht, Kost und Logis frei! Wenn Guttenberg die Wehrpflicht aussetzt, wird so ein Angebot nicht reichen, um junge Menschen für den Soldaten-Job zu interessieren. Schon jetzt laufen Probe-Anwerbungsgespräche. Ein nicht ganz ernstzunehmendes Protokoll.
Der Weg ist vorgezeichnet - jedenfalls für mutige und engagierte Zeitgenossen
Der Weg ist vorgezeichnet - jedenfalls für mutige und engagierte Zeitgenossen

Der Weg ist vorgezeichnet - jedenfalls für mutige und engagierte Zeitgenossen

Foto: DDP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sehr wahrscheinlich wird ab 2011 die Wehrpflicht abgeschafft. In den Kreiswehrersatzämtern soll jedoch weiterhin gemustert werden, allerdings eher aus prophylaktischen Gründen (die rote Flut, die gelbe Gefahr, der grüne Wahn). Außerdem soll aus der Gruppe tauglich eingestufter Bürger ja eine professionelle Armee rekrutiert werden.

Klar kann man diese jungen Leute nicht mit einem Panzerkettenreinigungskursus locken. Attraktivere Angebote müssen her. SPIEGEL ONLINE belauschte exklusiv ein Testgespräch, geführt im Kreiswehrersatzamt Bad Wünnenberg. Teilnehmende: Stabsfeldwebel Harro Schurigel, 37; Gerti Schwostner, 19, Abiturient.

Schurigel: Alle Achtung, T1, voll tauglich. Sieht man auch nicht mehr alle Tage.

Schwostner: Echt? Ich hab doch aber diese Allergie…

Schurigel: Lassen Sie sich da mal nichts einreden.

Schwostner: …Birke, Erle, Roggen…

Schurigel: Großartig zum Einschanzen.

Schwostner: Wie bitte?

Schurigel: Roggenfelder. Gute Spähstruktur bei gleichzeitiger Deckungsdichte. Wobei wir beim Thema wären: Schon was geplant für die nächste Zeit?

Schwostner: Ich dachte an eine Reise, New York oder Westküste.

Schurigel: Amerika, Nummer-eins-Verbündeter, sehr gut. Ich seh schon: Sie wissen, wo es langgehen könnte. Andererseits: zu konventionell.

Schwostner: Konventionell?

Schurigel: USA kann jeder. Wie wär's mit was Exotischem? Somalia, Jemen, Horn von Afrika.

Schwostner: Oder Afghanistan, hahaha!

Schurigel: (Schweigt)

Schwostner: Äh…also…brauchen Sie mich noch?

Schurigel: Afghanistan. Sie haben es selber gesagt.

Schwostner: Nee, das ist mir glaub ich zu gefährlich.

Schurigel: Gefahrenbewusst. Sehr gut. Sie haben das Zeug zum Strategen.

Schwostner: Zum was?

Schurigel: Pssst!

Schwostner: Ja?

Schurigel: Wir haben auch noch andere, anspruchsvollere Projekte. Ich sag mal: Liechtenstein.

Schwostner: Sie wollen Liechtenstein angreifen?

Schurigel: Top Secret. Nur so viel: Steuersünder, Geldwäsche, schwarze Konten. Da läuft doch alles aus dem Ruder!

Schwostner: Also, sind Sie sicher?

Schurigel: Sicherheit. Gutes Stichwort. Sie sind mehr der Typ fürs Innere, dacht ich mir gleich. Nun, der nächste G-8-Gipfel kommt bestimmt. Und psssst…

Schwostner: Warum sagen Sie eigentlich immer Pssst!

Schurigel: PSSSSSST!

Schwostner: Okay, okay!

Schurigel: Nächstes Mal werden wir ganz anders durchgreifen in Heiligendamm.

Schwostner: Durchgreifen…

Schurigel: Den linken Zecken mal zeigen, wo die Uzi die Kiemen hat. Und Sie könnten dabei sein!

Schwostner: Klingt ziemlich riskant.

Schurigel: Nur wenn Sie wollen. Ansonsten: Verletzungsrisiko minimal. Sie haben ja Abitur.

Schwostner: Was hat das damit zu tun?

Schurigel: Fronteinsatz nur für Kategorie I. Ossis, Hartzis, Doofis. (Lacht)

Schwostner: Nicht Ihr Ernst!

Schurigel: Bitterernst.

Schwostner: Und das duldet unsere Regierung?

Schurigel: Unzufrieden mit der Regierung?

Schwostner: In Anbetracht solcher Methoden? Hallo?

Schurigel: Unzufrieden mit der Regierung. Interessant. Psssst. Wir vom Militär kennen uns auch da gut aus, da können wir was machen. Gut, dass Sie hergefunden haben!

Hier bricht die Aufzeichnung ab. Aber zentrale Fragen bleiben unbeantwortet: Ist ein Gulag für Steuersünder mit den Genfer Konventionen vereinbar? Hat Ostafrika noch das Zeug zum Krisengebiet? Und wie reagiert der Club Med, wenn das deutsche Heer im Jemen eine Dependance einrichtet?

Der Autor dieses Artikels kann bei der Klärung nicht mehr helfen. Seine Dienstzeit als Kolumnist ist zu Ende. Herzlichen Dank an alle Leserinnen und Leser, die sich in den vergangenen Jahren freiwillig zur Lektüre gemeldet haben.