Verstehen Sie Haas? Stars auf dem Todes-Radar
Diese schnellebigen Zeiten! Alles muss zackzack gehen. Auch das Berühmtwerden und Sich-fertig-Machen und Sterben. Zuletzt Heath Ledger: Wurde tot aufgefunden in seiner Wohnung, mit 28 Jahren, einer der besten Darsteller seiner Generation. Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) traf das unvorbereitet; der zuständige Entertainment-Chef ist entschlossen, wenigstens bei Britney Spears die Nase vorn zu haben: Auf Amerikas berühmteste Selbstzerstörerin wurde vorsichtshalber ein Nachruf verfasst.
Wer Britney sagt, muss auch Amy sagen. Frau Winehouse, von Kollegen scherzhaft Hauswein getauft, ist nicht gerade für ausgewogene Ernährung bekannt; auch beim Yoga hat man sie noch nicht erwischt. Stattdessen kursierte unlängst ein Video im Netz, das die Sängerin beim Crackrauchen zeigte. Man habe die Winehouse "auf dem Radar", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" einen AP-Mann.
So ein Todesradar ist schon eine feine Sache: Er kann die glamourösen Selbstzerstörer orten, die Britneys und Lindsays und Robbies. Zwei Voraussetzungen müssen sie allerdings erfüllen: Ihr Tod muss eine wichtige News darstellen. Und sie sollten möglichst keine Chance auf Heilung haben.
Crackrauchen ist schon mal ein guter Indikator für die anstehende seelische, geistige und körperliche Komplettverwüstung. Auch grenzpsychotische Anwandlungen wie unlängst bei Frau Spears beobachtet, sind ein gutes schlechtes Zeichen für den anstehenden Exitus.
Paris Hilton ist so gesehen eine Spielverderberin: Sie soff, sie kotzte Diskotheken voll, sie kam in den Knast. Man erwartete eine deftige Fortsetzung der Hübsches-Girl-aus-reichem-Hause- kriegt-den-eigenen-Lifestyle-nicht-auf-die-Reihe-Story. Und dann? Konsolidiert die sich einfach. Verkauft Mode in L.A. und Sektbrause in Berlin. Wirkt so gesund wie Jane Fonda in ihren schlimmsten Aerobic-Zeiten.
Oder Pete Doherty: will ebenfalls nicht sterben. Trotz langjähriger Drogenexzesse taucht der Mann immer wieder auf: an der Seite von Models, auf der Bühne. Zuletzt in der deutschen Hauptstadt, wo er ein furioses Rockkonzert gegeben haben soll. Noch nicht mal Kate Moss konnte der Mann zugrunde richten, auch so eine Querulantin, die trotz chronischer Unterernährung und einem dokumentierten Faible für kolumbianisches Nasenpuder keine Anstalten macht, das Zeitliche zu segnen.
Todsichere Story
Für den Todesradar vermutlich nur Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Was sind schon diese zwei, drei Stars gegen die vielen Morituri, die sich so lange mit Drogen malträtieren, bis die finale Meldung über die Nachrichtenticker läuft. Hätte es 1994 den Todesradar schon gegeben, Kurt Cobains Nachruf wäre bereits erschienen, als das Gewehr, mit dem er sich das Hirn aus dem Schädel schoss, noch rauchte.
Natürlich gibt es die Geläuterten und Überlebenden ? Keith Richards, Elton John, Marianne Faithful -, aber die gehören einer anderen Ära an. Der Todesradar ist auf die heute 20- bis 30-Jährigen eingestellt. Und dieser Generation traut sein System nichts zu außer der Hartnäckigkeit der Selbstauslöschung. Geeicht auf Pessimismus, Häme und Härte prognostiziert es nur das schmutzige Finale. Ein cleanes Happy End kommt in seiner simplen Logik von kaputt, kaputter, tot nicht vor.
Das Kuriose am Todesradar von AP: Er ist, obwohl gerade erst auf den journalistischen Markt gekommen, eine Antiquität. Wir sind ja schon viel weiter. Die aktuellen Modelle können bereits jene ermitteln, denen man am besten einen Nachruf zu Lebzeiten widmet. Owen Wilson ? schon so gut wie tot. Nicole Richie ? eine Leiche auf Urlaub. Warum warten, wenn sowieso alle glauben: Diese kreativen Hampelmänner zappeln am Abgrund der Zerstörung, fangen wir wenigstens ihre Skandale und Exzesse auf. Der Mensch selbst ist längst abgeschrieben.
Ich arbeite deshalb an einem neuen Gerät, es ist zugegebenermaßen höchst sentimental: dem Bio-Funker. Er sendet Signale der Hoffnung und Erleichterung aus.
Kleiner Test gefällig? Der Schauspieler und frühere Junkie Samuel L. Jackson erfreut sich bester Gesundheit. Zuletzt war er hierzulande im Drama "Blake Snake Moan" zu sehen. Er spielte besser denn je.