Vertrauter von Axel Springer Ernst Cramer ist tot
Ernst Cramer bei einer Rede im Bundestag: 1958 holte Axel Springer ihn in seinen Verlag
Foto: Bernd Settnik/ dpaBerlin - Der Journalist und Vorsitzende der Axel Springer Stiftung, Ernst Cramer, ist an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben, teilte das Medienhaus Axel Springer mit. Am Dienstag wäre er 97 Jahre alt geworden. "Der Tod von Ernst Cramer ist für unser Haus ein großer Verlust", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner. "Er war nach Axel Springer die prägendste Figur des Verlags."
Der in Augsburg geborene Cramer stammte aus einer jüdischen Familie, seine Eltern und sein Bruder wurden 1942 von den Nazis verschleppt und ermordet. Er selbst wurde 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, gehörte ein Jahr später aber zu den letzten deutschen Juden, denen noch die Ausreise gelang. Im Sommer 1941 begann Cramer ein Agronomiestudium an einer Hochschule im US-Staat Mississippi, nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour meldete er sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst. Im Mai 1945 kehrte er als Offizier der US-Army in seine Geburtsstadt Augsburg zurück.
Nach Kriegsende arbeitete Cramer zunächst in der amerikanischen Militärverwaltung in Bayern. 1948 wurde er stellvertretender Chefredakteur der "Neuen Zeitung", kehrte 1954 aber wieder in seine amerikanische Wahlheimat zurück und wirkte dort als Mitarbeiter der Nachrichtenagentur United Press International (UPI).
1958 holte ihn in seinen Verlag. Dort war Cramer zunächst stellvertretender Chefredakteur der "Welt", ab 1966, zusammen mit Heinz Pentzlin und Hans-Wilhelm Meidinger, einer der Geschäftsführenden Redakteure der Tageszeitung, für die er zahlreiche Kommentare, Leitartikel und Features schrieb. Ab 1969 leitete er das Verlegerbüro von Axel Springer, zwei Jahre danach trat er in die Geschäftsführung der Holding Axel Springer Gesellschaft für Publizistik KG ein.
Als Cramer im Oktober 1981 Mitherausgeber der "Welt am Sonntag" wurde, galt er längst als einer der engsten Vertrauten und rechte Hand des Verlegers Axel Springer, mit dem er sich in seinen wichtigsten politischen Leitmotiven - der Wiedervereinigung Deutschlands, der deutsch-amerikanischen Partnerschaft und der Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel - einig wusste. Nach dem Tode Springers 1985 wurde Cramer Alleinherausgeber der "Welt am Sonntag" (bis Ende 1995) und neben Bernhard Servatius und Friede Springer Testamentsvollstrecker Axel Springers.