Ai Weiweis Videobotschaft "Gebt mir meinen Pass zurück!"
Berlin/Hamburg - Am 3. April wird im Martin-Gropius-Bau im Rahmen der Berliner Festspiele die Ausstellung "Evidence" eröffnet, die bisher weltweit größte Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Gerne würde Ai nach Deutschland kommen, doch die Behörden seines Heimatlands haben vor fast drei Jahren seinen Pass konfisziert.
In einer Videobotschaft appelliert der systemkritische Künstler nun an die Behörden, ihm sein Reisedokument wiederzugeben. Oder zumindest klar zu erklären, aus welchem Grund es einbehalten wird. Ai wirkt müde und resigniert, als er in die Kamera spricht. Viele Male habe er bei den Behörden bereits nachgefragt. "Ich habe nie eine klare Antwort auf meine Fragen bekommen", so Ai. (Die Videobotschaft können Sie hier ansehen.)
Er wolle seinen Pass vor allem zurückhaben, um nach Deutschland reisen zu können, wo mehrere Vorhaben auf ihn warteten. Neben seiner Ausstellung ist das auch seine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste die er 2011 annahm und bis heute nicht antreten konnte.
Auch von deutscher Seite aus versuchen jetzt mehrere Kunstvertreter eine Ausreisegenehmigung für Ai erreichen. Klaus Staeck, der Präsident der Berliner Akademie der Künste, appellierte am Mittwoch an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich bei den Gesprächen mit der chinesischen Regierung Ende März nachdrücklich für eine Ausreisegenehmigung einzusetzen. "Wir erwarten, dass unsere Regierung hier nicht leisetreterisch auftritt, sondern das Thema ganz konkret zur Sprache bringt", sagte Staeck bei einer Pressekonferenz.
"Es gibt keinen einzigen Vorwurf"
2011 war Ai Weiwei verhaftet und für fast drei Monate an einen unbekannten Ort verschleppt worden. Bei seiner Festnahme wurde ihm auch der Pass abgenommen. In einem zweifelhaften Ermittlungsverfahren wurde ihm Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen. Eine Beschwerde Ais gegen diesen Prozess wurde abgewiesen.
"Die ganze Geschichte verfolgt ihn schon sehr persönlich", sagt der Berliner Galerist Alexander Ochs, der den Künstler zusammen mit dem Kunstexperten und Rechtsanwalt Peter Raue Ende Februar in Peking besuchte.
Raue hat dort eigenen Angaben zufolge sämtliche relevante Unterlagen, Schriftsätze und Dokumente eingesehen. "Es gibt kein einziges Verfahren und keinen einzigen Vorwurf gegen Ai Weiwei. Es gibt aber auch keine staatliche Erklärung, warum ihm der Reisepass nicht ausgehändigt wird", betonte Raue.
Jeden Tag frische Blumen
Es sei lediglich eine Steuerstrafe von umgerechnet 1,8 Millionen Euro über die von seiner Frau mitgegründete Firma Fake verhängt worden. Ai sei an dem Unternehmen aber nie beteiligt gewesen. Den dennoch von ihm hinterlegten Sicherungsbetrag von 900.000 Euro hätten die Behörden nie abgerufen. "Für dieses Verhalten gibt es nur die Erklärung, dass die chinesischen Steuerbehörden das Verfahren offenhalten und als Druckmittel benutzen - warum auch immer", so Raue. Sein Bericht soll auch der Bundesregierung zugeleitet werden.
Künstler Ai, Sohn eines berühmten Dichters, war den Behörden schon seit 2005 mit seinem regimekritischen Blog ein Dorn im Auge. Endgültig in Ungnade fiel er, als er nach dem Erdbeben von Chengdu 2008, bei dem mehr als 5000 Kinder starben, die Behörden für Schlamperei an Schulgebäuden verantwortlich machte.
Er darf zwar weiter in seinem Atelier am Pekinger Stadtrand arbeiten und seine Werke im Ausland zeigen, nicht jedoch in seinem Heimatland. "Das einzige Kunstwerk, das in China von ihm zu sehen ist", so Galerist Ochs, "ist das Fahrrad vor seiner Tür, in das er jeden Tag frische Blumen steckt."