Wagner-Festspiele: "Hasifal" statt "Parsifal" - DER SPIEGEL
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Wagner-Festspiele "Hasifal" statt "Parsifal"

Bereits vor der Parsifal-Premiere heute Abend in Bayreuth schockierte Regisseur Christoph Schlingensief den Festspielleiter. Das Video eines verwesenden Hasen verstörte Wolfgang Wagner so sehr, dass die Szene abgemildert werden musste.
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Bayreuth/München - Die Debatte über die Verpflichtung des Film- und Theaterprovokateurs Christoph Schlingensief für die Richard-Wagner-Festspiele hält an. Vor dem heutigen Start der 93. Festspiele in Bayreuth mit einer Neuinszenierung des "Parsifal" kam Kritik vom Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Sir Peter Jonas. Er freue sich "ganz und gar nicht" auf Schlingensief, sondernd finde "es schrecklich". Auch Festspiel-Leiter Wolfgang Wagner räumte am Samstag Irritationen ein.

Jonas betonte, Opernregie habe "sehr viel mit Handwerk" zu tun. Er finde es sehr bedenklich, dass in diesem Bereich zunehmend Operndebütanten arbeiten. Der Intendant monierte: "Das schielt nur auf die Medien - vor allem, wenn es sich um Filmregisseure handelt." Er fügte hinzu: "Die haben meist keine Ahnung vom Inszenieren auf einer Bühne. Ken Russell, der tolle Musikfilme gemacht hat, war da ein totaler Versager."

Wagner bezeichnete Berichte, nach denen er und Schlingensief sich bei den Proben angeschrieen haben sollen, als "Quatsch". Er fügte jedoch hinzu: "Es ist freilich so, dass ich schon mal frage: Warum machen Sie das? Können Sie mir das erklären?" Schließlich könne er "doch erwarten, dass jemand, den ich engagiert habe, ein Konzept vorlegt, dass zur Verdeutlichung Wagners beiträgt".

Der Festspiel-Leiter fügte hinzu: "Seit Herr Schlingensief in Bayreuth ist, nennen manche den 'Parsifal' nur noch 'Hasifal'. Zum Schluss zeigt Schlingensief ein Video, in dem der Hase als Symbol des Werdens und Vergehens verwest." Wagner betonte: "Das hat mich zugegebenermaßen schockiert. Inzwischen ist die Szene etwas abgemildert."

Der Festspiel-Leiter stellte zugleich klar, dass er Peter Konwitschny und Hans Neuenfels nicht als Regisseure für den nächsten "Ring" auf dem Grünen Hügel einladen wird. Den Namen seines Favoriten wollte er nicht nennen, weil noch Details offen seien. Wagner verriet lediglich: "Er kommt wieder aus einer ganz anderen künstlerischen Richtung." In den nächsten Tagen werde darüber gesprochen, "ob er damit klarkommt, wie hier probiert wird".

Vor einigen Monaten hatte der dänische Filmemacher Lars von Trier seine Inszenierung des "Rings" abgesagt. Der "Welt am Sonntag" zufolge schaut sich Wagner derzeit mit seiner Tochter Katharina verschiedene Regisseure an, unter ihnen auch den katalanischen Skandal-Regisseur Calixto Bieito.

Jörg Säuberlich, ddp