Wagner-Festspiele: Skandal überschattet Parsifal-Premiere - DER SPIEGEL
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Wagner-Festspiele Skandal überschattet Parsifal-Premiere

Mobbing auf dem "Grünen Hügel": Die erste Vorstellung der Wagner-Festspiele fand ohne den Chef-Kammersänger statt. Die Premierengäste applaudierten trotzdem.
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Bayreuth - Die Premiere der 89. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth am Dienstagabend ist dank guter Sänger doch noch gelungen: Neben Poul Elming in der Titelrolle des "Parsifal" brillierte besonders Violeta Urmana als Kundry. Begeisterte Bravo-Rufe belohnten bei seinem Bayreuth-Debüt auch den Dirigenten Christoph Eschenbach für eine ausgefeilte Interpretation.

Dabei schwebten schwarze Wolken über dem Festspielhaus: Am Montag hatte der dienstälteste Kammersänger, Hans Sotin, für einen Eklat gesorgt, als er wegen Differenzen mit Eschenbach die Rolle des Gurnemanz zurückgab. Der kurzfristig für ihn eingesprungene Matthias Hölle war aber ein ordentlicher Ersatz. Auch den Chören unter dem neuen Chorleiter Eberhard Friedrich dankte das Publikum mit donnerndem Applaus. Festspielchef Wolfgang Wagner musste allerdings für seine mittlerweile zwölf Jahre alte konventionelle Inszenierung einige kräftige Buhs einstecken.

Das beherrschende Thema auf dem "Grünen Hügel" war der Rücktritt Sotins: "Die Festspielleitung bedauert diesen Schritt und die Umstände, die dazu führten, außerordentlich", hieß es in einer offiziellen Erklärung, die in der ersten Pause verteilt wurde. Die Dissonanzen zwischen dem Dirigenten und seinem Chef-Kammersänger seien unüberbrückbar gewesen. Wagner teilte am Abend mit, die beiden hätten unvereinbare künstlerische Auffassungen über die Interpretation des "Parsifal" gehabt. Einen Streit habe es aber nicht gegeben. Sotin erklärte hingegen, er sei "richtig rausgemobbt" worden.

In der seit 1989 laufenden "Parsifal"-Inszenierung von Wagner hatte Sotin als Gurnemanz ausnahmslos positive Kritiken bekommen. "Hügel"-Kenner gehen davon aus, dass das sehr langsame und extrem getragene Dirigat des neuen Dirigenten den Ausschlag für den Bruch gab.

Wie immer fanden sich zur Premierenfeier zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness in Bayreuth ein, darunter Thomas Gottschalk, Margot Werner, Roberto Blanco und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Die Politikerriege führten die Bundesminister Otto Schily und Herta Däubler-Gmelin (beide SPD) sowie die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber an. Auch Demonstranten nutzten die Anwesenheit von zahlreichen Fernsehkameras: Eine als Wagner, Hitler, Bayern-König Ludwig II. und Edmund Stoiber maskierte Aktionsgruppe protestierte in der Auffahrt gegen den "hoch subventionierten" Wagner-Kult.

Am Mittwochabend beginnt der Premierenreigen des mit Spannung erwarteten "Jahrtausend-Rings". Der Hamburger Regisseur Jürgen Flimm verspricht in seiner Neu-Inszenierung eine politische Parabel über die Schrankenlosigkeit von Macht in der Gegenwart.

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