WDR-Ermittlung: Schleichwerbung bei Schimanski - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

WDR-Ermittlung Schleichwerbung bei Schimanski

In fünf Folgen der Krimireihe "Schimanski" hat der Westdeutsche Rundfunk (WDR) Fälle von bezahlter Schleichwerbung entdeckt. Alle Filme wurden von der Bavaria-Tochtergesellschaft Colonia Media produziert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Köln - Es seien Zahlungsbelege gefunden worden, die fünf "Schimanski"-Folgen betreffen, sagte WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin heute und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die betroffenen Filme mit Götz George in der Titelrolle werden nun für eine künftige Ausstrahlung nachbearbeitet. Sie wurden zwischen 1997 und 2000 gesendet. Die Filme, in denen der WDR bei seinen internen Ermittlungen auf Schleichwerbung gestoßen ist, wurden den Angaben des Senders zufolge von der Bavaria-Tochtergesellschaft Colonia Media produziert.

Bei den neuen Fällen von Schleichwerbung handelt es sich um das Getränk "Red Bull" sowie je einmal für eine Biermarke und für die Telekom, wie das Blatt berichtet. Erhalten habe die Colonia Media dafür mehr als 200.000 Euro. Aufmerksam geworden sei der WDR bereits 1998, als er wegen des Verdachts einer Platzierung von "Red Bull" nachgefragt habe. Damals sei laut WDR aber von der Colonia Media entschieden bestritten worden, dass es sich um Schleichwerbung handele.

Die Colonia Media soll bereits im Jahre 2002 für Schleichwerbung in mindestens zwei Münsteraner "Tatort"-Krimis Geld kassiert haben. Der damalige Chef der Colonia, Frank Döhmann, wurde unlängst wegen geplanter Schleichwerbung in einem Kieler "Tatort"-Krimi von seinem Posten als Geschäftsführer der NDR-Tochter Studio Hamburg enthoben.

Der aktuelle Geschäftsführer der Colonia Media, Georg Feil, wird nach Angaben der Bavaria "aus persönlichen Gründen" zum 31. Januar 2006 das Unternehmen verlassen, wie die Bavaria auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Ein Zusammenhang mit den Fällen von Schleichwerbung wies ein Sprecher des Unternehmens zurück.

Nachdem die Schleichwerbungsfälle in den Bavaria-Serien "Marienhof" und "In aller Freundschaft" publik geworden waren, war bereits Bavaria-Geschäftsführer Thilo Kleine entlassen worden. An der Fernsehproduktionsfirma sind außer dem WDR auch der SWR, der MDR und BR beteiligt. Der WDR hatte nach Bekanntwerden der Affäre vorsorglich 67 Filme und zwei Serien gesperrt, die von der Bavaria produziert wurden, darunter 38 "Tatort"-Produktionen und 13 "Schimanski"-Filme.

Mehr lesen über