"Wer wird Millionär?" Verdacht auf Schleichwerbung
München Ein Endemol-Sprecher bezeichnete den Vorfall als Zufall: In der RTL-Sendung "Wer wird Millionär?" fragte Moderator Günther Jauch nach dem Namen für einen speziellen Kosmetikwirkstoff. In der anschließenden Werbepause wurde der Spot für eine Creme gezeigt, die genau diese Substanz enthält und offensiv damit vermarktet wird.
Die für RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt wolle die Sendung nun bewerten und das Ergebnis in die zuständige Gemeinsame Stelle für Programm und Werbung einbringen, berichtet der "Focus". Der Endemol-Sprecher erklärte jedoch, es gebe keine Absprachen zwischen RTL und Werbekunden.
In der EU gibt es derzeit einen heftigen Konflikt über Schleichwerbung im Fernsehen: Das EU-Parlament will bezahltes Product Placement erlauben. Die Parlamentarier hatten vor einigen Tagen in erster Lesung mit großer Mehrheit für Vorschläge gestimmt, die die gezielte Produktplatzierung im Fernsehen für bestimmte Sendungen unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen würden. Verboten wäre dem Beschluss zufolge derartige Werbung dagegen in Nachrichten, Kinderprogrammen und Dokumentationen.
Die Mitglied-Staaten haben dagegen vor kurzem vereinbart, Schleichwerbung nicht zuzulassen. Allerdings wurden dabei so weit reichende Ausnahmeregeln zugelassen, dass praktisch jeder Staat auf Wunsch derartig versteckte Reklame in Sendungen in Shows zulassen kann. Bund und Länder haben bereits angekündigt, diese Lücken künftig zu nutzen.
ase/ddp