Werbekrise bei RTL Es rumort beim Marktführer
Beim Marktführer RTL wird es Maßnahmen zur Umstrukturierung des Unternehmens geben. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") könnte es dabei auch zu einem Wegfall von 200 festen Arbeitsplätzen und der Kündigung von 300 freien Mitarbeitern kommen. Der Sender versammelt heute nachmittag seine Belegschaft, um sie über die geplanten Veränderungen zu informieren.
"Wir tun das, um Spekulationen vorzubeugen und offen und schnell mit unseren Mitarbeitern zu kommunizieren", sagte Unternehmenssprecher Christian Körner SPIEGEL ONLINE. Bezüglich der Gerüchte über mögliche Entlassungen hält man sich bedeckt. "Die genannten Zahlen sind aus der Luft gegriffen und unseriös", sagt Körner. Er bestätigte lediglich, dass die Sendergruppe die Strukturen überprüfen werde: "Dieser Prozess wird mehrere Monate dauern und hat eben erst begonnen." Er wollte aber nicht ausschließen, dass es im Zuge der Umstrukturierung auch personelle Veränderungen geben werde.
Zu den Plänen des Unternehmens gehört unter anderem, die in Köln angesiedelten Sender RTL, VOX und Super RTL im Jahr 2008 unter einem Dach zu vereinen. Auf diese Weise könnten die Ressourcen besser genutzt werden. So soll ein Studio auf dem Hauptgelände geschlossen, Magazinsendungen auch im Nachrichtenstudio produziert werden. Durch diese Maßnahmen könnten Kosten deutlich reduziert werden. "Wir haben seit drei Wochen mit Anke Schäferkordt eine neue Geschäftsführerin, die alle Strukturen des Unternehmens überprüft und geeignete Maßnahmen ergreifen wird", sagt Körner.
Bei dem Kölner Privatsender sind derzeit 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Das Wegfallen von 200 Stellen würde einen großen Einschnitt in die Unternehmensstruktur des Senders bedeuten. RTL gilt seit den Boom-Jahren als Branchenprimus unter den Privatsendern. 1993 wurde der Sender zum ersten Mal Marktführer und konnte diese Position bis 2005 halten. In diesem Jahr allerdings sank der Gewinn der deutschen RTL-Filiale laut "SZ" um 3,6 Prozent, der Geschäftsgewinn gar um 13,3 Prozent. Die Gründe für den Rückgang liegen in den sinkenden Werbeeinnahmen in der Fernsehbranche.
Schuld daran sind auch die wenig erfolgreichen RTL-Formate der vergangenen Monate, darunter "Teufels Küche" oder "Das geheime Leben der Spielerfrauen", die nicht die erhoffte Quote brachten. Konnte man sich während der Boom-Zeit auf steigende Erlöse aus diesem Bereich freuen, wird für die kommenden Jahre ein weiterer Rückgang erwartet.
Aus diesem Grund wohl lotet RTL die Chancen und Möglichkeiten des Senders neu aus. Dahinter stehen auch die Verantwortlichen des Gesellschafters Bertelsmann, der in dem Sender auch in Zukunft einen Gewinnbringer haben möchte. Dies kann nur auf zwei Arten erfolgen: Reduzierung der Kosten oder eine Rückkehr zu den Gewinnen aus den neunziger Jahren. Aus diesem Grund gehört es zum Aufgabenbereich von Anke Schäferkordt, vor allem den Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen wieder auf 17 Prozent zu erhöhen. Diese Zielgruppe verzeichnet die geringsten Einbußen bei den Werbekunden und soll deshalb fest in der Hand von RTL bleiben.
Deshalb soll auch das sportliche Zugpferd von RTL, die Formel 1, weiter an den Sender gebunden werden. Der frühere RTL-Manager Hans Mahr, nun im Vorstand des Bezahlsenders Premiere, würde die Königsklasse nach Angaben der SZ gerne komplett in sein Unternehmen holen. Bertelsmann würde Schumacher und seine Kollegen gerne weiter beim Privatsender seine Runden drehen sehen.
"Die Mitglieder werden auf der Versammlung heute um 16 Uhr nicht viel mehr als das erfahren, was ich schon gesagt habe", sagt Christian Körner. Von Entlassungen wird keine Rede sein, vielmehr aber von der neuen Struktur der Sendergruppe. Alles weitere werde man, so Körner, in den kommenden Monaten sehen.