"Wetten, dass ..." Tausend laufende Klorollen
Hamburg - Basel ist eigentlich eine nette schweizerische Stadt. So lange jedenfalls, bis sich das deutsche Unterhaltungsfernsehen des Ortes annimmt. Gestern moderierte dort Thomas Gottschalk seine 100. "Wetten, dass ..."-Sendung. Binnen 165 Minuten Sendezeit (nur eine halbe Stunde überzogen!) verwandelte der Showmaster den Familienabend in eine Nacht der lebenden Mumien: Assistiert von Deutschlands beliebtesten Vorzeigeschweizer Kurt "Verstehen-Sie-Spaß" Felix lockte Europas erfolgreichste Unterhaltungssendung zur Stadtwette mehr als tausend Menschen auf den Münsterplatz - verpackt in Zewa-Wisch-und-Weg, WC-Papier und Mullbinden.
Als laufende Klorollen sollten sie Werbung machen für eine Ausstellung über den ägyptischen Pharao Tut Ench Amun, die in Basel demnächst gezeigt wird.
Gottschalk sah in seinem verfremdeten Hosenrock ("von Gaultier") zwar so aus wie eine Art Popeye mit Klumpbein. Nur fehlte dem ewigblonden 53-Jährigen der Spinat, der ihn kräftig und mutig machte. Gottschalk fuhr als Gäste die Rockröhre Anastacia (für die Jüngeren), Popsänger George Michael (für das Mittelalter), Jose Carreras (für die Älteren), Franz Beckenbauer und Günther Jauch (für alle) auf.
Mit dieser Generationen übergreifenden Starquote glitt "Wetten, dass ..." abermals in die gewohnt seichte Dauerwerbesendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens für Handyfirmen, Transportunternehmen und Autohersteller ab. Immerhin standen erstmals keine Gummibärchen auf dem Tisch. Stattdessen gab es Basler Leckerli.
So berechenbar wie die ganze Sendung war, dürften sich auch viele der 15,48 Millionen Zuschauer vor ihren Bildschirmen in lebende Mumien verwandelt haben. Es war halt so wie immer - seit Frank Elstner die Sendung erfand und 1987 an Gottschalk übergab: Harmlose Wetten, harmlose Einsätze. Doch genau das ist das Erfolgsrezept der Sendung - beste Unterhaltung vor allem für Zwölf- und 92-Jährige, denen im Anschluss befohlen werden kann: "Nun aber husch, husch ins Bett."
Knutschmonster Charlize Theron
Volksbelustigend an Gottschalks Sendungen ist - neben seinen immer leicht sexualisierten Sprüchen - vor allem der pure Ausdruck von Kulturschock, der den ausländischen Stars stets ins Gesicht geschrieben steht, wenn sie auf seiner Couch neben (eben nur hier bekannten) Deutschen sitzen. So durfte die diesjährige Oscar-Preisträgerin Charlize Theron (gerade auf Werbetour für ihren neuen Film) etwa neben dem prominentesten Deutschen im Ausland, Horst Tappert, Platz nehmen.
Immerhin konnte sie neben dem langjährigen Derrick-Kommissar einmal kurz ihrer Tätigkeit als Knutschmonster für Gottschalk, Günther Jauch und der ganzen Kohorte männlicher Gäste entfliehen.
Zudem war Gerhard Polt da und promotete seinen Film "Germanikus", der nach zwei Jahren Verspätung nun endlich in die Kinos kommt. Auch der urbayerische Kabarettist ließ es sich nicht nehmen, Theron zum Abschied noch zwei Bussis auf die Wangen zu drücken. Immerhin konnte sich die amerikanische Folksängerin Norah Jones dem Umarmungsdruck der Deutschen entziehen: Sie kam nach der Werbung für ihre neue CD einfach nicht mehr auf die Couch, auf der sie ein äußerst pubertierender Günther Jauch hätte betatschen können.
Wettgewinner waren ausnahmsweise mal nicht Gabelstaplerfahrer. Auch der monologstarke "Volker mit dem Hanfseil", das er mit bloßen Händen zerreißen kann, hatte keine Chance. Ebenso wenig wie Boris, der sich die 50 Menüs von so leckeren Gerichten wie Gummipommes mit Wasser und Plastikbratwurst mit Rotwein einprägen konnte. Gewinner wurden die fränkischen Brüder Tobias und Markus, die den Wert und die Währung von Münzen an ihrem Klang erkennen konnten.
Nach der gewonnenen Mumienwette wurde Kurt Felix mit Klopapier beworfen. Er wehrte sich verbal: "Eine richtige Mumie hat keine Eingeweide - und kein Hirn mehr."