WMF-Bericht Klimawandel bedroht Kulturstätten
New York - Die Organisation World Monuments Fund (WMF) stellte heute in New York die Liste der 100 am stärksten gefährdeten Kulturstätten vor und berücksichtigte dabei erstmals auch die globale Erwärmung.
Zerstörtes New Orleans im August 2005: Historische Altstadt geflutet
Foto: AFPGenannt wurden Kulturdenkmäler in 59 Ländern auf allen Kontinenten, denen wegen politischer Konflikte, Umweltverschmutzung, Städtebau und Tourismus schwere Schäden drohen. "Auf dieser Liste ist der Mensch tatsächlich der wahre Feind", erklärte die WMF-Präsidentin Bonnie Burnham. "Aber genauso wie wir die Schäden verursacht haben, haben wir auch die Möglichkeit, sie zu beheben."
Das Land mit den meisten gefährdeten Kulturstätten sind die USA mit sieben. Sechs der Orte liegen in Peru, jeweils fünf in Indien und der Türkei sowie vier in Großbritannien. Auf der kanadischen Insel Herschel bedroht der tauende Permafrost-Boden alte Siedlungen der Inuit sowie eine historische Walfänger-Stadt. In Chinguetti in Mauretanien rückt die Wüste immer mehr auf eine antike Moschee vor. In der Antarktis bedrohen zunehmende Schneestürme die Hütte, die einst der britische Entdecker Robert Falcon Scott bewohnte.
In den USA wurde die historische Route 66 ebenso genannt wie die Altstadt von New Orleans, die nach dem Hurrikan "Katrina" vor zwei Jahren schweren Schaden genommen hatte. Politische Konflikte lassen die Zukunft für die Kulturstätten im Irak düster erscheinen. Ähnlich geht es den riesigen Buddha-Statuen in der afghanischen Provinz Bamijan, die 2001 von den Taliban zerstört wurden, aber wieder aufgebaut werden sollen. Machu Picchu in Peru könnte seiner eigenen Popularität zum Opfer fallen. Kulturexperten warnen, dass zu viele Touristen das Ende der Inka-Ruinen bedeuten könnten.
Der WMF präsentiert alle zwei Jahre seine Liste mit den am stärksten gefährdeten Kulturstätten der Welt. Sie soll als Weckruf dienen und wird von der Organisation als Erfolg beschrieben: Mehr als drei Viertel der Stätten, die in vergangenen Jahren genannt wurden, sind heute nicht länger gefährdet. Die Organisation hat eigenen Angaben zufolge seit 1996 mehr als 47 Millionen Dollar (34,8 Millionen Euro) ausgegeben, um bei der Rettung von 214 Kulturstätten zu helfen.
Jennifer Peltz, AP