"Wolffs Revier": Schauspieler Klaus Pönitz gestorben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

"Wolffs Revier" Schauspieler Klaus Pönitz gestorben

Der aus der Sat.1-Serie "Wolffs Revier" bekannte Schauspieler Klaus Pönitz ist in seiner Berliner Wohnung an Herzversagen gestorben. Seine Leiche wurde erst nach Tagen entdeckt. Der 65-Jährige soll vereinsamt und schwer alkoholkrank gewesen sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Klaus Pönitz, der in der Krimireihe "Wolffs Revier" bis 1999 den Kommissar Sawatzki gespielt hatte, wurde nach Angaben der Polizei bereits am Samstag tot aufgefunden. Offenbar lag er schon mehrere Tage in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg. Eine Nachbarin hatte die Beamten wegen des Verwesungsgeruchs alarmiert. Hinweise auf Fremdverschulden oder Suizid gibt es laut Polizei nicht.

Das Team der Sat.1-Serie reagierte bestürzt. Schauspielkollege Jürgen Heinrich, 59, alias Kommissar Wolff sagte der "Bild"-Zeitung: "Der Alkohol hat ihn ruiniert. Dass er so enden musste, schockiert mich zutiefst." Pönitz, der ein außergewöhnlich begnadeter Schauspieler gewesen sei, habe sein ganzes Leben lang getrunken. "Er ließ sich nicht helfen", zitiert das Blatt Heinrich.

Ebenso wie Heinrich hatte der 1940 in Dresden geborene Pönitz in den sechziger Jahren an der Theaterhochschule Leipzig studiert. Danach hatte er Engagements in Rostock und Leipzig. Er trat in zahlreichen Spielfilmen auf, darunter "Romeo und Julia auf dem Lande" und "Der Fall Ö." Viele Jahre war Pönitz zudem Dozent an der Theaterhochschule Rostock.

Seine bekannteste Rolle aber war die des gemütlichen und sympathischen Fahnders Sawatzki in "Wolffs Revier". Das Aus in der Erfolgsreihe kam vor sechs Jahren. Getroffen von einer Kugel, starb der Ermittler in den Armen von Kommissar Wolff. Sat.1 wollte die Serie nach eigenen Angaben modernisieren. Wolffs Partner ist seither der jüngere Polizist Tom Borkmann (Steven Merting).

Noch 1993 hatte Pönitz gemeinsam mit Produzent und Autor Karl Heinz Willschrei sowie Schauspielkollegen den Grimme-Preis für "Wolffs Revier" erhalten. Dem Autor gelinge es mit der Serie, "die gegenwärtige gesellschaftliche Situation zu analysieren und daraus spannende Krimihandlungen zu destillieren", hieß es damals in der Begründung der Jury. "Ihr beeindruckender Figurenkosmos, der von hervorragenden Schauspielern getragen wird, fußt in der Realität und gibt auf unterhaltsame Weise Auskunft über den Zustand der Bundesrepublik der neunziger Jahre."

Pönitz spielte in fast 100 Folgen der Reihe, die letzte Episode mit ihm wurde im Mai 1999 ausgestrahlt. Der "Bild"-Zeitung zufolge hatte Pönitz seitdem keine Engagements mehr, "verarmte und verwahrloste". Vor acht Monaten habe er beim Amtsgericht Schöneberg einen Offenbarungseid geleistet.

Nathalie Waehlisch, ddp