Wolfgang Joop: Lässig mit toten Vögeln - DER SPIEGEL
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Wolfgang Joop Lässig mit toten Vögeln

Star-Designer Wolfgang Joop geht unter die Künstler. Mit einer Ausstellung in Berlin will er auf Tiersterben und Umweltverschmutzung aufmerksam machen. Die Kritiker hielten's auf der Vernissage mit Joseph Beuys: "Jeder kann Künstler sein."
Von Henrike Thomsen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Wenn man die Galerie betritt, möchte man Wolfgang Joop hassen. Zweihundert Quadratmeter Ausstellungsfläche in der besten Lage in Berlin Mitte – und wofür darf er sie nutzen? Auf hohen Sockeln sitzen Tierpräparate. Joop hat die lebensecht konservierten Seevögel, Fische und Kleintiere mit schwarzem Lack überzogen und goldenen Halsringen versehen. „I was a Duck“, steht darin eingraviert, „I was a Cormoran“ und so fort. An den Wänden hängen Modezeichnungen. Es gibt Studien von schwarzen Frauen ("Black Beauty Red Dress“), sterbenden Schwänen und Entwürfe für schwarze Abendkleider. Für sich genommen wären die Bilder und die Bälger einfach nur belanglos. Zusammen bilden sie einen Affront.

Ausgerechnet diese Arbeiten, die nur auf schicke Posen bedacht sind, sollen zum Nachdenken über Tiersterben und Umweltverschmutzung einladen? "Man kann nicht einfach weiter schalten, und es folgt die Sportschau oder ein Spielfilm“, meint Joop. Er posiert lässig neben dem toten Cormoran, im dunklen Anzug natürlich. Es ist der Abend der Vernissage. Geduldig wiederholt Joop für die vielen Kamerateams, wie ihn ein Tankerunfall vor der bretonischen Küste zu der Ausstellung animiert habe. Ästhetisch sei sie von Stilleben mit Vanitas-Motiven aus dem 16. Jahrhundert und von japanischen Lackbildern beeinflusst. Er skizziert ein Geflecht von moralischen und kunsthistorischen Bezügen, denen die Arbeiten in keiner Weise Genüge tun. Und doch hört man auf, Joop, der als schillernder Illusionist verschrien wurde, für einen Schaumschläger zu halten.

In technischer Hinsicht war er es ohnehin nie. Vor seiner Designerlaufbahn hat der 55jährige Malerei und Bildhauerei studiert. Seit 1987 ist er Professor für Aktzeichnen und Design an der Hochschule der Künste in Berlin. Ihn habe immer das Handwerkliche interessiert, denn das könne er beurteilen, sagt er. "Ein Bild, was schlecht gemalt ist, das kann ich sehen.“

Joop sagt solche Sätze mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Freimut und Naivität. Sein Lächeln ist ein Reflex, aber sein Blick begegnet aufmerksam den Leuten, die sich um ihn scharen. Er scheint fast ängstlich darauf bedacht, dass sie sich wohl fühlen und serviert Anekdoten und Komplimente wie ein guter Gastgeber. Mit solchem Charisma begabt, wirken nicht einmal seine Referenzen an Caspar David Friedrich und Josef Beuys abgeschmackt.

"Jeder kann Künstler sein“ lautet das Motto von Beuys, auf das sich nicht nur Joop gerne beruft. Kunst sei alles, was sich als solche behaupte, sagt zum Beispiel Hellmuth Karasek. Der Film- und Literaturkritiker war einer der Prominenten aus der Kulturszene, die sich in den Galerieräumen der früheren Jet Set-Journalistin Beate Wedekind zuprosteten. Einem ästhetischen Urteil über Joops Werke wich Karasek, wie die meisten anderen, auf diese Weise geschickt aus. Er stand jedoch dazu, dass sie ihm persönlich gefielen und er vielleicht eines kaufen wolle. Der Erlös der Ausstellung geht an ein Hamburger Sterbehospitz.

Joop beruft sich aber nicht nur auf die Tradition der Romantiker, sondern auch auf die diametral entgegengesetzte Pop Art. Seine Arbeiten sollen erschüttern, aber sie sollen bitte schön appetitlich genug sein, damit man sie im Wohnzimmer aufstellen kann. Er kritisiert, dass sich Kunst- und Modebetrieb immer stärker verwischen, aber er steht selber dafür.

Durch die Potsdamer Agentur wunderkind.art hatte Joop erst ein Kochbuch herausgebracht und einen Filmpreis gestiftet. Das Wunderkind bei Wedekind unterzubringen, war der nächste Coup. Seine Stärke liegt darin, wie er zu inszenieren weiß. Davon zeugen übrigens auch die Zeichnungen, die von dramatischen Farbkontrasten und dynamisch bewegten Linien leben. Aus dem Gemisch von politischen Ansichten, die er flüchtig vertritt und Gegensätzen, die für ihn keine sind, ergibt sich keine Kunst, die spannend ästhetisch argumentieren könnte. Aber persönlich ist Wolfgang Joop sehr inspirierend.

Daten: Belle Ile – Is black beautiful. Objekte und Arbeiten auf Papier von Wolfgang Joop. Bis 2. April, Di-So 14 – 22 Uhr. Galerie Pictureshow, Kunsthof in der Oranienburger Straße 27, 10117 Berlin, Tel. (0172) 43 42 445.

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