Zadek-Star Schauspieler Hermann Lause gestorben
Hamburg - Ob Kinofilm ("Schtonk", "Der Campus", "Gegen die Wand"), Doku-Drama ("Die Staatskanzlei", "Einmal Macht und zurück") oder Bühnenstück: Hermann Lause war ein Vollblutschauspieler, dessen Vielseitigkeit Kritiker und Kollegen begeisterte.
Am wohlsten fühlte sich der gebürtige Niedersachse - er kam am 7. Februar 1939 in der emsländischen Kreisstadt Meppen zur Welt - auf der Bühne. "Ich finde, wenn man nicht mehr Theater spielt, ist man irgendwie reduziert", sagte Lause in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Vor allem mit Regie-Star Peter Zadek verband Lause eine langjährige Zusammenarbeit. Von 1977 an war der Darsteller insgesamt 16 Jahre lang am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert und spielte große Rollen in zahlreichen Inszenierungen Zadeks wie "Die Wildente", "Hamlet" oder "Ein Sommernachtstraum". Nach zwei Jahren am Berliner Ensemble hatte er Gast-Engagements unter anderem in München, am Burgtheater Wien, bei den Salzburger Festspielen und den Wiener Festwochen. Zuletzt war er im vergangenen Dezember auf einer Hamburger Bühne zu erleben - mit einem Erich-Kästner-Abend.
Im Fernsehen gelangen Hermann Lause präzise Psychogramme so verschiedener Charaktere wie Erich Honecker ("Dicke Freunde"), Barschel-Referent Reiner Pfeiffer ("Die Staatskanzlei") und Verfassungsschutzpräsident Günther Nollau ("Wehner - Die unerzählte Geschichte"). In kleinen TV-Rollen verkörperte Lause oft mit skurriler Komik schrullige bis verschlagene Typen, die so genannten einfachen Leute im "Tatort" oder in Serien wie "Großstadtrevier".
Nach Popularität strebte Hermann Lause, der nach eigener Aussage "das Charakterbild eines anderen in Deckungsgleichheit mit meiner eigenen Natur" bringen wollte, nicht. "Mich hat das nie richtig gereizt, dass einen hinterher alle ansprechen oder man auf einem Titelbild irgendeiner Zeitschrift erscheint. Ich habe kein Bedürfnis nach dieser Art Vergrößerung von Öffentlichkeit", erklärte er im Interview.
Seine Vielseitigkeit erklärte der Darsteller auf die ihm eigene unprätentiöse Weise: "Die drei Sachen, die ich gerne mache: vor der Kamera zu stehen, Theater zu spielen und Radio, sind völlig verschiedene Medien, die als Ganzheit den Beruf ausmachen." Nur als Synchronsprecher hat sich Lause nie versucht, nahm allerdings eine Vielzahl von Hörspielen auf. Hoch gelobt wurde auch sein Hörbuch über Peter Ustinov, "Die Reisen des Sir Peter".
In seiner letzten Fernsehrolle wird Hermann Lause am 26. Juni im neuen "Schimanski"-Film "Sünde" in der ARD zu sehen sein, wie der WDR mitteilte. Darin spielt er einen pensionierten, liebenswürdigen Professor, der zurückgezogen in einem Waldhäuschen lebt.
Lause starb wenige Wochen nach seinem 66. Geburtstag in der Nacht zum Dienstag an den Folgen einer Krebserkrankung. Dies bestätigte der Arzt Lutz Hoffmann vom Allgemeinen Krankenhaus Barmbek in Hamburg der AP. Lause habe mehrere Wochen in der Klinik gelegen, so Hoffmann, der mit ihm befreundet war. Der Schauspieler hinterlässt Ehefrau und Sohn, mit denen er in Hamburg lebte.
Inge Treichel, AP