ZDF-Intendanz Pleitgen mischt sich ein
Köln/Mainz - Der WDR-Intendant Pleitgen kritisierte im "Kölner Stadt-Anzeiger" das parteipolitische Gerangel um die Neubesetzung der ZDF-Intendanz. "Was da beim ZDF gegenwärtig abläuft, löst bei mir nur Staunen aus", zitierte das Blatt den ARD-Chef. Es werde um das Amt des Intendanten gerungen, "als wenn das Schicksal der Nation davon abhinge."
Pleitgen hält den Parteienstreit für schädlich, "weil Rückschlüsse auf andere Sender gezogen werden, in denen es diese Probleme nicht gibt." Versuche der Parteien, die Wahl der Führungspersönlichkeiten des WDR zu beeinflussen, "kann ich mir absolut nicht vorstellen", sagte der Intendant. Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) sei zwar ein engagierter Medienpolitiker, nehme aber "keinen Einfluss auf meine Personalpolitik, das würde er als unter seiner Würde ansehen", sagte Pleitgen. "Das Gleiche gilt übrigens für Jürgen Rüttgers von der CDU."
"Der Beste ist noch nicht im Rennen"
Mit Stolte trete eine sehr prägende Kraft ab, erklärte Pleitgen. "Jetzt hat man den Eindruck, als müsse wieder jemand auf 20 Jahre gewählt werden. Vielleicht wäre es ganz gut, sich klar zu werden, dass man erst mal für eine Amtszeit wählt." Einem neuen Intendanten müsse man einen Reifeprozess zubilligen. "Auch Stolte ist erst zu einer starken Persönlichkeit geworden. Man sollte den Mut haben, jemanden sich entwickeln zu lassen", sagte Pleitgen. "Der Beste ist ja noch nicht ins Rennen geschickt worden - Nikolaus Brender."
Brender wechselte Anfang April 2000 vom WDR zum ZDF. Beim Kölner Sender war er Anfang 1994 Nachfolger Pleitgens als Fernseh-Chefredakteur geworden und Anfang 1997 Programmchef Fernsehen.
Der 77-köpfige ZDF-Fernsehrat, in dem alle Bundesländer vertreten sind, kommt am Donnerstagabend auf dem Mainzer Lerchenberg zur Intendantenwahl zusammen. Die den Unionsparteien nahe stehenden Mitglieder favorisieren den stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze. Der SPD-Freundeskreis schickt die Direktorin des NDR-Landesfunkhauses in Hamburg, Dagmar Reim, ins Rennen. Fraglich ist, ob einer der beiden Bewerber die nötigen 47 Stimmen erreicht. Wenn nicht, müssen mehrere Wahlgänge stattfinden. In diesem Fall will Ministerpräsident Clement zwei neue Kandidaten präsentieren.