ZDF-Intendanz Struve oder Harnischfeger?
Hamburg/Berlin - Beim dritten Anlauf zur ZDF-Intendantenwahl am kommenden Samstag gelten Struve und Harnischfeger als heißeste Kandidaten. Die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Kurt Beck (SPD) und Bernhard Vogel (CDU), die sich an diesem Freitag bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin treffen, wollen bis zur Wahl am Samstag in Mainz noch weitere Gespräche über einen Konsenskandidaten führen. Die Wahl eines Nachfolgers von Dieter Stolte, der nächsten Donnerstag nach 20 Jahren sein Amt abgibt, war bereits zwei Mal gescheitert, da Union und SPD sich im Fernsehrat nicht auf einen Kandidaten einigen konnten. Der Intendant muss von 47 aller 77 Fernsehräte gewählt werden.
Struve war bereits beim letzten Wahlgang am 18. Januar als Kandidat genannt worden. Der 61-jährige Fernsehmanager, der früher der SPD angehörte, hatte jedoch für seine Bewerbung die gemeinsame Unterstützung von SPD und Union im Fernsehrat zur Bedingung gemacht. Die Union lehnte dies bisher jedoch ab. Über eine Kandidatur von Harnischfeger war erstmals diese Woche in der Presse spekuliert worden. Die Freundeskreise von SPD und Union dementierten daraufhin, man habe sich bereits auf Harnischfeger geeinigt. Der 57-Jährige, Chef der Unternehmenskommunikation bei Bertelsmann, war Anfang der siebziger Jahre Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion.
Sollte bis zur Amtsaufgabe Stoltes am kommenden Donnerstag kein neuer Intendant gewählt sein, würde ZDF-Programmchef Schächter einen Teil von Stoltes Aufgaben übernehmen. Auch Schächter galt lange als Intendanten-Kandidat, ist nun aber offenbar aus dem Rennen. ZDF-Justiziar Carl-Eugen Eberle warnte im Fall eines erneuten Scheiterns der Wahl vor "verhängnisvollen Folgen" für das ZDF und forderte den Fernsehrat auf, "notfalls in Permanenz zu tagen", um eine Entscheidung herbeizuführen.