ZDF-Intendanz: Wahl erneut vertagt - DER SPIEGEL
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ZDF-Intendanz Wahl erneut vertagt

Der ZDF-Fernsehrat hat die Intendantenwahl erneut vertagt. Auch beim zweiten Anlauf konnten sich die beiden Freundeskreise von SPD und Union nicht auf einen Kandidaten einigen.
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Nachdem bereits im vergangenen Dezember zwei Wahlgänge fehlgeschlagen waren, ist nun auch der dritte Einigungsversuch im ZDF-Fernsehrat gescheitert. Für Gottfried Langenstein, der als einziger Kandidat angetreten war, stimmten nur 36 der 72 anwesenden Ratsmitglieder. Der vom Unionsnahen "schwarzen Freundeskreis" vorgeschlagene 3sat- und Arte-Chef bekam nicht einmal aus den eigenen Reihen die volle Unterstützung. Mindestens fünf Mitglieder des konservativen Lagers stimmten nicht für ihn.

Da keiner der beiden politischen Freundeskreise im Fernsehrat alleine die erforderliche Drei-Fünftel-Mehrheit von 47 Stimmen stellen kann, hat nur ein Kandidat Aussicht auf Erfolg, der Befürworter auf beiden Seiten findet. Aus diesem Grund hatte es in den vergangenen Wochen verstärkt Kompromiss-Gespräche zwischen dem "roten" und "schwarzen" Lager gegeben. Unter anderem waren die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Kurt Beck (SPD) und Bernhard Vogel (CDU), als Vermittler tätig geworden.

Eine Marathon-Sitzung des Fernsehrats in der Nacht zum Freitag hatte allerdings keine Einigung gebracht, insbesondere nachdem der vom "roten Freundeskreis" favorisierte Günter Struve am Donnerstagabend überraschend seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Der plötzliche Rückzieher Struves ist Medienberichten zufolge zurückzuführen auf die Ankündigung der CSU, einen SPD-nahen Kandidaten auf jeden Fall verhindern zu wollen. Struve hatte bereits vor der Wahl gesagt, er werde nur antreten, wenn beide Freundeskreise ihn unterstützen würden.

Zunächst hatte sich die CSU noch versöhnlich gezeigt und angekündigt, den SPD-nahen ARD-Programmchef als ZDF-Intendanten zu akzeptieren. Nachdem CSU-Chef Stoiber allerdings überraschend schnell zum Kanzlerkandidaten ernannt wurde, habe sich diese moderate Haltung der Partei geändert, berichtet das Blatt. Gerade im Hinblick auf künftige TV-Duelle im Wahlkampf sei ein Intendant, der früher Redenschreiber von Willy Brandt war, nicht tragbar für die Union. Der Wortführer der Konservativen im Fernsehrat, Wilfried Scharnagl (CSU) widersprach den Spekulationen über eine Einflussnahme Stoibers: "Mein Parteivorsitzender ist momentan mehr mit der K-Frage als mit der I-Frage beschäftigt."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) schlug nach der missglückten Wahl vor, den ZDF-Staatsvertrag zu ändern. Um ein politische Gezerre wie bei der Intendantenwahl künftig zu vermeiden, müsse die Anzahl von Parteipolitikern in den Gremien reduziert werden. "Eine solche Blockbildung habe ich noch nie erlebt", sagte Clement. "Hier ist zu viel Parteipolitik im Spiel".

Neuer Termin für die Wahl sei der 9. März, sagte der Wortführer des "roten Freundeskreises", Klaus Rüter, am Freitag nach der Ratssitzung. Viel Spielraum bleibt den Parteien dann nicht mehr - am 14. März scheidet ZDF-Intendant Dieter Stolte aus dem Amt. Die mittlerweile vierte Vertagung der Wahl ist jedoch nach Ansicht von Fernsehratschef Konrad Kraske «keine Schande und keine Katastrophe». Die nötige Drei-Fünftel-Mehrheit sei eine «außerordentlich hohe und schwer zu nehmende Hürde».

Die Wortführer der beiden Freundeskreise, Klaus Rüter (SPD) und Wilfried Scharnagl (CSU), sowie der ZDF-Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck (SPD) und sein Stellvertreter Bernhard Vogel (CDU) wollen nun einen neuen Anlauf bei der Suche nach einem Konsenskandidaten starten.