ZDF-Krimishow Verdächtig langweilig
Gerade noch rechtzeitig, bevor RTL mit der zweiten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" den übrigen Sendern wieder die Zuschauer stehlen will, strahlte das ZDF ein neues Unterhaltungsformat aus, das eine verfeinerte Variante der dreißig Jahre alten Sendung "Dem Täter auf der Spur" ist: eine Mischung aus Krimi und Show. Was damals "zum Mitmachen" hieß, wird heute allerdings "interaktiv" genannt.
Der Krimi wurde in drei Blöcken ausgestrahlt, in den Pausen waren die Experten an der Reihe: Im Hamburger Ratestudio saßen die TV-Kommissare Andrea L'Arronge, Sky Dumont und Maria Furtwängler, um gemeinsam den Fall zu lösen. Außerdem wurden drei echte Mainzer Kommissare zugeschaltet, die ihre Hauptverdächtigen nennen mussten. Und schließlich saß noch der "SoKo Kitzbühl"-Ermittler Hans Sigl im Studio, um, im "Aktenzeichen XY"-Stil, Zuschaueranrufe entgegen zu nehmen. "Mehr ist mehr" lautete offenbar die Devise der Verantwortlichen, viel Personal, viel Aufwand, was aber zu mehr Gerede und mehr Langeweile führte.
Die Zuschauer konnten per Telefonanruf oder SMS Fragen nach Details des Falles beantworten, richtige Antworten wurden mit dem Namen eines Unschuldigen belohnt. Außerdem gab es noch 40 mal 1000 Euro und ein Mal 20.000 Euro für die Zuschauer zu gewinnen, da hat der Mainzer Sender offenbar von RTL gelernt - auch beim "Superstar" gab es in jeder Sendung etwas zu gewinnen, weil das die Zahl der Anrufe zum Preis von je 49 Cent enorm steigert. Da das ZDF nicht an die Verschwiegenheit der eigenen Mannschaft glaubte, ließ es sechs verschiedene Auflösungen des Falls drehen und entschied erst kurz vor der Sendung, welche tatsächlich ausgestrahlt werden sollte.
Es war ein Krimi im simpelsten Agatha-Christie-Stil, den das ZDF zeigte: Ein junger, dunkellockiger superreicher Schönling wird kurz vor seiner Hochzeit mit der Schlagersängerin Nina in seinem Schwimmbad erschossen. Als Täter kommen nur die Gäste, Bewohner und Angestellten in der Luxusvilla am See in Frage: die geldgierige Tante Margot, die Musikproduzentin Eva, die befürchtet, dass ihr einziger Star Nina als Ehefrau ihre Karriere aufgeben wird (wieso eigentlich?), der dubiose Vermögensverwalter Gunnar, die eifersüchtige Ex-Freundin Delia, der gekränkte Homosexuelle Tom, der Butler mit der kriminellen Vergangenheit, die Haushälterin Frau Raschke, die allerdings kaum in Erscheinung trat und deshalb der Einfachheit halber "geheimnisvoll" genannt wurde. Chefermittler war aber nicht etwa der übergewichtige Polizist, eine Mischung aus Sherlock Holmes und Columbo, sondern Ninas beste Freundin Christine (Tanja Wedhorn) und deren Mann Leo (Oliver Korritke), ein Ex-Juwelendieb.
Christine, ein großer Fan von Kriminalromanen, begann mit großem Eifer ihre Fahndungsarbeit. Ihre Fröhlichkeit litt nicht im Geringsten darunter, dass sich ihre Freundin verzweifelt vor Trauer in ihr Schlafzimmer zurückgezogen hatte. Kein Wunder, schließlich sollte Show ja unterhalten, also lustig sein, und nicht etwa eine ernste Geschichte erzählen. Auch die möglichen Motive der Verdächtigen schienen eher Parodien auf Krimis als ernstgemeint zu sein: die gierige böse Tante, der korrupte Finanzverwalter, die verletzte Ex-Geliebte. Damit wenigstens Spannung simuliert wurde, hatte das ZDF ein Sinfonie-Orchester angeheuert, das mit Geigengeschrammel und bedrohlichem Paukengetrommel Stimmung machen sollte. Damit der Zuschauer auch nichts falsch verstand, wurde jede Liebes- und Flirtszene zwischen Christine und Leo dagegen mit drei Takten Jazz unterlegt.
Von lustig und unterhaltsam konnte in "Ein mörderisches Spiel" aber keine Rede sein. Wer zum Beispiel die erste Zuschauerfrage nach der Farbe eines Handtuchs per Anruf, SMS (für 49 Cent) oder übers Internet richtig beantwortet hatte, erfuhr, dass Delia den Mord nicht begangen hatte - und musste sich anschließend minutenlang dabei langweilen, wie der Verdacht auf sie gelenkt wurde. Die TV-Kommissare im Studio verzettelten sich in der Diskussion, ob Tom nun homosexuell sei oder nicht; die echten Mainzer Kommissare hatten in erster Linie beizutragen, dass man sich bei seinen Ermittlungen nicht zu früh auf einen Verdächtigen festlegen sollte. Was für ein überraschender Ratschlag. Immerhin, und das war das Beste an der Sendung, lagen Experten alle falsch, ein Drittel der Zuschauer hingegen tippte per Ted auf die tatsächliche Mörderin: Margot, die geldgierige Tante.
Hauser versuchte etwas Schwung in die Sendung zu bringen, indem er, statt wie früher bei "Frontal" mit Kienzle zu streiten, nun mit seiner Co-Moderatorin Monica Lierhaus flirtete, die damit, trotz aller offensichtlichen Absprachen, nicht so recht etwas anzufangen wusste. Immerhin versuchte Hans Sigl, der Chef der Ted-Ermittlung, sofort, "Ein mörderisches Spiel" als Erfolg zu verkaufen: Die Beteiligung der Zuschauer an der Fahndung sei "sensationell" gewesen. Die genaue Zahl der Anrufe, erwähnte er beiläufig, sei aber nicht bekannt. So etwas nennt man in Krimis einen Verdacht.
"Hier geht es mindestens genauso spannend zu wie auf dem Fußballplatz", hatte die Moderatorin Lierhaus in der Sendung verkündet. Offenbar ist sie seit langem nicht mehr im Stadion gewesen.