ZDF-Programmchef Bellut: Schelte für die ARD - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

ZDF-Programmchef Bellut Schelte für die ARD

Vom ZDF erhält die ARD zum Jahresende keine heimeligen Grußadressen, stattdessen gibt es scharfe Kritik. Im Gespräch mit dem SPIEGEL wirft Programmchef Thomas Bellut dem öffentlich-rechtlichen Konkurrenten eine massive Schädigung der Informationsformate vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat im SPIEGEL-Interview das Vorhaben seiner öffentlich-rechtlichen Kollegen von der ARD kritisiert, von Januar an die "Tagesthemen" bereits um 22.15 Uhr statt wie bisher um 22.30 Uhr zu senden. "Ich halte den früheren Termin aus Zuschauersicht für falsch, er ist zu dicht an unserem Journal."

Aber er sei da selbstbewusst: "Immerhin hat das 'heute journal' den direkten Wettbewerb auch dieses Jahr wieder gewonnen - und noch zugelegt." Insgesamt wird das ZDF Bellut zufolge in diesem Jahr erstmals seit 1983 wieder Marktanteils-Sieger aller hiesigen TV-Kanäle werden.

"Schlimmer" als die "Tagesthemen"-Verlegung finde er im Übrigen, so Bellut weiter, "dass die ARD zwischen 20.15 Uhr und 21.45 Uhr eine Art Info-Räumungsausverkauf veranstaltet". Das ZDF werde mit seinen Magazinen "Frontal21" und "ZDF.reporter" am 21-Uhr-Sendeplatz festhalten: "Alle Sender erreichen gegen 21 Uhr ihre höchsten Zuschauerzahlen. Und wir sind der Meinung: Da gehört ein politisches Format auch hin."

Bellut kritisierte weiterhin, dass die ARD an Freitagabenden künftig "entgegen ihrer Ankündigung" nun doch keine frühere "Tagesthemen"- Sendung plane und behielt sich programmliche Gegenmaßnahmen des ZDF in Form einer Verschiebung des "heute journals" auf einen späteren Sendetermin an diesem Wochentag ausdrücklich vor: "Darüber entscheiden wir im neuen Jahr."

Auch nach der "Kampfprogrammierungs"-Debatte zwischen ARD und ZDF Anfang des Jahres und den daraufhin gefassten guten Vorsätzen der Intendanten, sich künftig besser abzustimmen, "programmiert die ARD immer noch gern genretypisch gegen uns", ärgert sich der ZDF-Programmdirektor. "Das kann auf Dauer nicht gut sein."

Als neue Programmidee für das kommende Jahr kündigte Bellut "die erste tägliche Serie im Zweiten" an - es handle sich bei dem Format, das unmittelbar nach der Fußball-WM auf dem Sendeplatz nach "heute" um 19.25 Uhr laufen soll, ausdrücklich nicht um eine Telenovela. Geplant sei vielmehr eine "leichte Sommerliebesgeschichte mit 40 oder 50 Folgen, produziert von den Telenovela-Spezialisten der Ufa, aber stilistisch deutlich anspruchsvoller, den Erwartungen an ein ZDF-Abendprogramm angemessen".