ZDF-Theaterkanal: Appetit aufs Archäologische - DER SPIEGEL
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ZDF-Theaterkanal Appetit aufs Archäologische

Zum zweijährigen Jubiläum des ZDF-"Theaterkanals" diskutierten Bühnenstars den Sinn und Zweck der TV-Aufzeichnungen ihrer Stücke. Ab Februar soll Esther Schweins mit einer neuen 3Sat-Sendung noch mehr Appetit aufs Fernseh-Theater machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Theater und Fernsehen passen einfach nicht zueinander. "Sie verhalten sich wie zwei feindliche Brüder", sagt Wolfgang Bergmann. Trotzdem gründete der ZDF-Mitarbeiter am 9. Dezember 1999 den ZDF-Theaterkanal. Der Erfolg, so glaubt er, gibt ihm Recht. Immer wieder erhalte er Dankesbriefe von Zuschauern. Niemals sonst hätten sie sich eine Inszenierung beispielsweise des Wiener Burgtheaters ansehen können, da die Kosten für eine Reise dorthin viel zu hoch seien, schrieben sie.

Aber auch bekannte Schauspieler und Regisseure sind vom Theaterkanal überzeugt, wie sich am Dienstagnachmittag bei einem Gespräch anlässlich des zweijährigen Geburtstages des Theaterkanals im Berliner Ensemble zeigte. Allerdings speist sich ihre Zuneigung aus anderen Motiven. "Wenn ich 80 bin, will ich meinen Enkeln doch sagen: Siehste, das hab ich gemacht", sagt beispielsweise Katharina Thalbach. Für Regisseur Luc Bondy haben Theateraufzeichnungen "archäologischen Wert". "Man weiß, das hat es gegeben, und kann es später konsultieren", sagt er.

Über die Art und Weise der Präsentation lässt sich jedoch trefflich streiten. Bondy schlägt zwei Möglichkeiten vor. Entweder müsse man das Stück live zeigen und dann auch nicht verhehlen, dass Publikum dabei sei. Oder aber man versuche innerhalb von zwei Wochen eine Aufzeichnung zu machen, die eine Sache auf die andere übersetzt. Das allerdings ist nicht nur langwierig, sondern auch teuer.

Auch Regisseur Leander Haußmann findet das bloße Abfilmen von Inszenierungen langweilig. Drei seiner Aufführungen seien bereits aufgezeichnet worden. "Die größte Herausforderung war, eine entsprechende Übersetzung für das Fernsehen zu finden", erklärt er.

Claus Peymann ist natürlich ebenfalls überzeugt davon, dass Theater live am schönsten ist. "Das kann das Fernsehen gar nicht einholen", erklärt der Intendant des Berliner Ensembles. Aber trotzdem machten die im Fernsehen zu sehenden Inszenierungen "Appetit auf Theater" und seien deswegen sinnvoll. Da das Theater sowieso keine große Lobby besitze und 95 Prozent der Kritiker Verrisse schrieben, gebe es wenigstens von einem Sender wie dem Theaterkanal Liebe und Zuwendung.

Bis zu 80.000 Zuschauer verfolgen regelmäßig die Sendungen im Theaterkanal und 3Sat, wo die aufgezeichneten Inszenierungen ihre Fernseh-Premiere feiern. "Im Vergleich zu anderen Fernsehsendungen ist das zwar nicht viel", weiß Bergmann. Aber im Theater selbst hätten die Aufführungen doch nur einen Bruchteil dieser Zahl. "Man muss von Fall zu Fall entscheiden, wie das Theater adäquat für das Medium Fernsehen übersetzt werden kann", sagt der ZDF-Mitarbeiter.

Natürlich muss nicht nur der Inhalt, sondern auch die Verpackung stimmen. Deswegen hatte Bergmann die Idee, Esther Schweins zu fragen, eine Sendung zu moderieren. Der ehemalige Comedy-Star, ein ausgewiesener Theater-Fan, hat bereits erste Bühnen-Erfahrungen als Regisseurin des Broadway-Stücks "Caveman" gesammelt. Die 31-jährige Schauspielerin sagte prompt zu. Ab 2. Februar 2002 soll Schweins "Foyer" moderieren, eine Produktion, die jeden ersten Samstag im Monat in 3Sat zu sehen sein wird. "Lust aufs Theater zu machen, das kann ich übernehmen", sagt Schweins und verzieht ihr Gesicht zur Grimasse.

Der "Theaterkanal" des ZDF ist über einen Set-Top-Decoder (zum Beispiel "d-box") zu empfangen. Er wird im Kabel über den Sonderkanal 32 ausgestrahlt. Der Sender versteht sich als "kulturelles Gedächtnis" und schöpft aus 40 Jahren dokumentierter Theaterkunst aus dem ZDF-Archiv. Neben Magazin-Sendungen zu aktuellen Themen und Aufführungen werden sowohl alte, als auch aktuelle Stücke gezeigt.