ZDF wählt neuen Programmdirektor Bellut siegt, Beck tobt
Mainz/Berlin - Die Stelle des Programmdirektors war nach der Wahl von Markus Schächter zum Intendanten fast acht Monate lang nicht besetzt gewesen. Der Fernsehspielleiter Hans Janke, der ursprünglich als Favorit für das Amt des Programmchefs galt, erhält von Schächter ein Angebot, mit erweiterten Kompetenzen beim ZDF zu bleiben.
Der Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), warf den Unionsvertretern in seinem Gremium gleich nach der Wahl Belluts "parteipolitische Sturheit und Engstirnigkeit" vor. "Ich bedauere, dass die Position des ZDF-Programmdirektors nicht mit dem Kandidaten besetzt werden konnte, der von allen als der qualifizierteste angesehen wurde", sagte Beck mit Blick auf Hans Janke. Janke gilt als SPD-nah und war deshalb von den Konservativen abgelehnt worden.
"Es hat den Versuch gegeben, eine CSU-Parteilinie auch im ZDF durchzuziehen - ohne Rücksicht auf Verluste für das Ansehen des ZDF und ohne Rücksicht auf Mitarbeiter", so Beck weiter. Janke verfüge über eine herausragende Qualifikation. "Es ist sehr anzuerkennen, dass er im Interesse des ZDF der monatelangen Unionskampagne standgehalten hat." Im Interesse des Mainzer Senders habe die Blockade aufgelöst werden müssen.
Der nun beförderte Bellut, 47, ist den Zuschauern vor allem als Moderator von Wahlsendungen und des "Politbarometers" bekannt. In "Was nun...?" befragt er zusammen mit Chefredakteur Nikolaus Brender Politiker zu aktuellen Themen. Bellut war zuletzt Leiter der ZDF-Hauptredaktion Innenpolitik, die er Anfang 1997 übernahm.
Der als konservativ geltende Journalist kann beim ZDF auf eine lange Erfahrung zurückblicken: Nach seinem Studium mit Promotion in Münster (Politik, Geschichte, Publizistik) und kurzer Tätigkeit bei den "Westfälischen Nachrichten" kam er 1984 als Volontär auf den Mainzer Lerchenberg. Nach der Fernsehausbildung wurde er Redakteur beim "Länderspiegel" und wechselte 1986 als Korrespondent nach Berlin. Anfang der 90er Jahre wurde Bellut Redaktionsleiter der Sendungen "Familienmagazin" und "Reiselust", die er selbst ins Leben rief.
Als Innenpolitikchefin rückt für Bellut die Morgenmagazinleiterin Bettina Schausten nach. Der bisherige Anchorman der "heute"-Nachrichten, Klaus-Peter Siegloch, steigt zum Vize-Chefredakteur und Leiter des Aktuellen auf. Er folgt Helmut Reitze nach, der Intendant beim Hessischen Rundfunk wird. Seine Stelle bei "heute" soll Steffen Seibert einnehmen, der zuvor das Reportagemagazin leitete.
Nach der Pensionierung des "heute journal"-Leiters Wolf von Lojewski wird der bisherige ARD-Korrespondent in London, Claus Kleber, Anfang 2003 das Nachrichten-Flaggschiff übernehmen. Neuer Leiter der Hauptredaktion Wirtschaft, Soziales, Umwelt wird der Chef vom Dienst im Aktuellen, Ekkehardt Gahntz. Er übernimmt die Position von Michael Jungblut, der in den Ruhestand geht.