Zum Tod Glenn Fords: Mann ohne Makel - DER SPIEGEL
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Zum Tod Glenn Fords Mann ohne Makel

Glenn Ford zählte zu den letzten Leinwandlegenden aus Hollywoods "goldenen Jahren". In seiner Glanzzeit war er beliebter als Cary Grant. Gestern starb der Schauspieler im Alter von 90 Jahren in Beverly Hills.
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Los Angeles – Für die Rolle des strahlenden Helden war er nicht geschaffen. Lieber inszenierte er sich als aufrichtiger Typ von nebenan. Seine Paraderolle war der Mann ohne Macken und Makel. Er spiele gar nicht, hat Glenn Ford einmal über sich selbst gesagt, vor der Kamera sei er ganz er selbst.

Glenn Fords große Zeit waren die fünfziger Jahre. Umfragen zufolge war er damals sogar beliebter als Gary Cooper und Cary Grant. 1958 galt er sogar als größter Kassenmagnet Hollywoods. Er spielte Rollen in mehr als 100 Filmen, trat in zahlreichen Bühnenstücken und Fernsehserien auf und war jahrzehntelang einer der meistbeschäftigten US-Schauspieler.

Er überzeugte als verwirrter Liebhaber neben Rita Hayworth in dem Klassiker "Gilda", trug maßgeblich zum Erfolg von "Saat der Gewalt" bei, in dem er einen engagierten Lehrer verkörperte, und bewies neben Marlon Brando Talent für das Komische in "Das kleine Teehaus". Viele kennen Ford als raubeinigen Helden in Western wie "Cimarron" und "Cowboy". 1953 holte ihn Fritz Lang für "Heißes Eisen" vor die Kamera. Sein Erfolgsfilm "Menschenraub" kam 1996 unter dem deutschen Titel "Kopfgeld" als Remake in die Kinos, Fords Rolle wurde von Mel Gibson gespielt.

Der 1916 geborene Sohn eines Papierfabrikanten in der kanadischen Provinz Québec siedelte als Kind mit seiner Familie nach Kalifornien um. Schon in der Schulzeit arbeitete er als Beleuchter und Bühnenbildner. Während eines Nebenjobs als Stalljunge lernte er so gut reiten, dass er später bei Western-Drehs nicht gedoubelt werden musste. Außerdem galt er als der beste Schütze Hollywoods: Er konnte einen Colt noch schneller als John Wayne aus dem Halfter ziehen.

1939 wurde er nach Probeaufnahmen von Columbia Pictures verpflichtet. Bis er 1942 mit der US-Marine in den Krieg zog, hatte er bereits in über zehn Filmen mitgespielt. Für seine Unterstützung von Widerstandskämpfern in Frankreich wurde er später mit der Ehrenmedaille der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet. nach dem Krieg fasste er mit Hilfe von Bette Davis und Rita Hayworth schnell wieder im Filmgeschäft Fuß und hatte 1942 mit "Die große Lüge" und "Gilda" gleich zwei Leinwanderfolge.

Schlagzeilen machte auch sein reges Liebesleben. Vier Mal war Ford verheiratet, seine erste Ehe mit der Stepptänzerin Eleanor Powell hielt 16 Jahre, seine letzte, die er mit Ende 70 einging, nur noch wenige Monate. Mit Rita Hayworth hatte er eine leidenschaftliche Affäre, seiner großen Liebe Maria Schell, mit der er den Western "Cimarron" und 15 Jahre später "Superman" drehte, machte er mehrere vergebliche Anträge.

Seine Jahrzehnte lange Karriere wollte er 1993 mit einem letzten Auftritt in dem Western "Tombstone" krönen. Aus gesundheitlichen Gründen musste Ford am Ende passen. Sein 90. Geburtstag am 1. Mai sollte mit einer Ehrenfeier in Hollywood begangen werden, doch Ford war schon zu schwach, um an der Würdigung teilzunehmen.

Glenn Ford starb gestern im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills.

hoc/AFP/dpa