Zum Tod von Ken Kesey: Der Kuckucksnest-Flüchter - DER SPIEGEL
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Zum Tod von Ken Kesey Der Kuckucksnest-Flüchter

1962 erschien der Roman, der ihn zum Kultautor machen sollte. Doch Ken Keseys "Einer flog übers Kuckucksnest" war nur eine Episode einer Karriere, die in den USA eine kulturelle und gesellschaftliche Brücke von den fünfziger in die sechziger Jahre schlug. Nun starb Ken Kesey im Alter von 66 Jahren an Krebs.
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Schon mit seinem Debütroman wurde der am 17. September 1935 in La Junta, Colorado, geborene Ken Kesey zu einem Mythos der amerikanischen Literatur. Sportlich, clever, agil, mutig und literarisch begabt: Der junge Wilde generierte aus den Werken des Beat-Poeten Jack Kerouac und jeder Menge Action den Steilflug aus den fünfziger in die überdrehten sechziger Jahre, verband Leben und Schreiben wie kein Zweiter seiner Generation. "Einer flog übers Kuckucksnest", später erfolgreich von Milos Forman mit Jack Nicholson verfilmt, entwarf den großen Ausbruch, formulierte die neu zu gewinnende Freiheit, die einmal mehr das Versprechen des amerikanischen Traumes einlösen sollte.

Kesey wuchs im Nordwesten der USA auf und entwickelte bereits als Student von Palo Alto aus eine Keimzelle des Gegenkultur-Netzwerkes, das als Hippie-Bewegung später zu einer beinahe weltumspannenden Strömung wurde. Vom Beatnik-Guru Allen Ginsberg als genialer Macher verehrt, schrieb Kesey mit dem "Kuckucksnest" und dem zwei Jahre später erschienenen "Manchmal ein großes Verlangen" erstaunlich kontrollierte und keineswegs drogengetränkte Romane über die verspannte amerikanische Gesellschaft, die nach der Eisenhower-Ära und den paranoiden Fünfzigern mit neuen Idealen konfrontiert wurde. Häufig wurde Kesey als lichter Gegenpart zu den düsteren und menschenverachtenden Visionen Charles Mansons gesehen, der als Zeitgenosse die pervertierte Nachtseite einer außer Kontrolle geratenen Bewegung repräsentierte.

LSD war zu jener Zeit das Zauberwort, und Ken Keseys "Acid Tests"-Partys verarbeiteten in Form von Selbsterfahrung und literarischer Aktion die allgegenwärtig propagierte Bewusstseinserweiterung in höchst konkreter Form. Sein Jack Kerouac entlehnter, quasi-mythischer Trip quer durch die USA mit einem bunt bemalten Bus namens "Furthur" wurde durch die Wahl von Kerouacs Protagonist Neil Cassady als Busfahrer schon beinahe zum poetischen Akt an sich. Natürlich spielte die Musik kräftig mit - Kesey liebte die Warlocks (kurz darauf als Grateful Dead selber auf dem Weg zu Hippie-Ikonen), seine damalige Kommune, die Merry Pranksters, waren ebenfalls Musiker, aber auch Lebensgefährtinnen und Gefährten, die Keseys Ideale nicht nur während der historische Bustour realisierten.

Tom Wolfe beschrieb 1968 in seinem Report "The Electric Kool-Aid Acid Test" das flippige Reise-Unternehmen und begründete damit seinen eigenen Ruhm als Chronist der Pop-Kultur. Ken Kesey selbst hat sich - wie jeder gestandene Avantgardist - dem Mainstream stets verweigert. Er hasste den "Kuckucksnest"-Film und ließ sich 1969 in Woodstock nicht blicken. Seine literarische Produktion erstreckte sich auf Essays, Journalistisches und ein wenig Theater. Im August letzten Jahres war er mit Bus und Band unter dem Namen Ken & The Pranksters noch auf einer England-Tournee. Vor allem aber liebte er seine Familie und seine Farm in Oregon - auch ein amerikanischer Traum, der letztlich ergiebiger als Drogen war.