Filmkritik Geteilter Ramsch
Fremde Stadt (Deutschland). Wenn der Münchner Filmemacher Rudolf Thome Kino sagt, dann meint er wilde, schöne Mädchen ohne BH und smarte Star-Allüren ä la Hollywood. Vor allem aber meint er Geschichten.
Er erzählte schon von skurrilen »Detektiven« und von einer mörderischen Mädchen-Kommune ("Rote Sonne"). Nun, im dritten Thome-Film nach einem Drehbuch des Autors Max Zihlmann, erzählt er von einem scheinbar perfekten Verbrechen.
Es ist die triviale Geschichte vom Räuber Franz Lerchenfeld alias Philipp Kramer (Roger Fritz), der aus einer Düsseldorfer Bank zwei Millionen Mark gestohlen und im Koffer zu seiner geschiedenen Frau Sybille (Karin Thome) nach München geschafft hat.
Bringt er die Beute sicher durch? Er hätte alle Chancen, wenn der Film nicht aus München käme und die Figuren nicht Thomes Hang zum Geschichtenerzählen geerbt hätten.
So aber macht Philipp einen Fehler nach dem anderen, verrät sich durch einen registrierten Geldschein der Polizei, lockt ein Gangster-Pärchen auf seine Spur und jenen sinistren Kriminalbeamten Trimborn, der sich das Geld in die eigene Tasche schieben will.
Doch auch die Verfolger plaudern so gern von großen Seefahrten, Autorennen und Psychoanalyse, daß sie vor lauter Beschwörung großer Kinovorbilder nicht recht zur Sache kommen. Darum endet die Geschichte vom Coup, der für alle Beteiligten eine Nummer zu groß ist, remis: Räuber und Gendarmen teilen sich den Ramsch. Für Thome ("Fiktion ist Wahrheit"), der das vergnügliche Palaver ganz realistisch inszeniert hat -- sogar die zwei Millionen Mark sind echt -, springt womöglich mehr dabei heraus: Ein Kassenerfolg liegt in der Luft.