BAYREUTH Gipfeltreff der Zinkennasen
Bei Wotan! Sollte das Unglaubliche wahr werden: die verkrachten Wagners, die ganze zinkennasige Sippschaft, in Harmonie vereint? Jedenfalls fuhren letzten Freitag in Bayreuth TV-Teams und Fotografen vor, Reporter reckten ihre Mikros und zückten die Stifte: Sie alle wollten Zeugnis davon geben, wer demnächst die Geschicke des Grünen Hügels leiten werde. Die Diskussion um den künftigen Festspielchef hatte der amtierende Allvater Wolfgang, 80 und Komponistenenkel, persönlich angeregt: Der 24-köpfige Stiftungsrat möge sich doch über seine Nachfolge mal Gedanken machen. Alsbald hatten diverse Stämme des Clans ihr Interesse signalisiert und in diskreten Botschaften ihre Vorstellungen - etwa die Berufung familienfremder Musikkünstler in die Festspielleitung - zu Papier gebracht. Am Freitag durften sie vor Ort leibhaftig die Konzepte erläutern: Wolfgangs abtrünnige Tochter Eva, seine aufmüpfige Nichte Nike und der Chef selber, der Frau Gemahlin Gudrun favorisiert. Um Lauschangriffe aufs Konklave zu verhindern, waren alle Aufzüge zum Tagungsort, dem Oberstübchen des Rathauses, außer Betrieb. Am Abend teilte der Stiftungsrat mit, die Einbeziehung Außenstehender bleibe ausgeschlossen. Zu deutsch: Wer immer Wolfgang Wagner nachfolgt, soll den Namen Wagner tragen.