»Großer Zaster«
Lange Wollmäntel, zu Hosen und mit Sombreros getragen, werden im kommenden Winter den mehrjährigen Pelzboom brechen. Fast alle Pariser Modemacher präsentierten sie in ihren Kollektionen, und auch beim Modepapst Yves Saint-Laurent flanierten am Mittwoch letzter Woche die Mannequins in langen, roten, mit Schottenkaros gefütterten Kaschmirmänteln über den Laufsteg - und das Plazet des 46jährigen ist international noch immer entscheidend für neue Moderichtungen.
Bei der Rocklänge hingegen ritt der »oberste Schiedsrichter in Sachen Mode« (so die »International Herald Tribune") eine Extratour. Während seine Kollegen nun auch in Paris - wie zuvor schon in Mailand - auf halblange Glockenröcke oder eng Geschlitztes umgeschwenkt waren, beharrte Yves auf Kurz. Seine Favoriten, die Smoking-Kostüme, zeigen Bein und hohe Hacken.
Sonst gab es viel Gemeinsames bei den Parisern - die düsteren Farben Grau, Schwarz und Braun mit etwas Rot, sehr viel Gestricktes, breite Gürtel um die Hüften und lange Jacken, bei denen - schwacher Trost für die Pelzbranche - ein bißchen Persianer den Hals wärmt.
Da mittlerweile die Konfektionsware der Pariser Modemacher fast schon in Preiskategorien gehandelt wird, wie sie vor einigen Jahren für Haute Couture üblich waren, kaufen die Abgesandten der großen Kaufhäuser bei den Pret-aporter-Schauen nur noch wenig. Dafür stiebitzen sie die Entwürfe und nähen danach wieder Eigenproduktion.
Wer den Stylisten ihre Originale abkaufte, bekam nicht viel Neues. »Die großen Designer«, so das New Yorker Textilblatt »W«, »bleiben alle bei dem, was sie berühmt gemacht hat.«
So ließ Claude Montana (zu Wagner-Chören) seine wuchtigen Ledermäntel aufmarschieren. Eine Nappajacke mit weißem Seidenhemd und schwarzem Schloß nannte das US-Modeblatt »W« ungeniert »seine Gestapo-Ausrüstung«. Thierry Mugler drapierte wieder seinen Hollywood-Kitsch und nähte ein purpurrotes Samtkleid für sein neues Ideal - volle Hüften und großer Busen. Karl Lagerfeld (der mit Hilfe von Akupunktur und Vitaminspritzen um 18 Kilo abgemagert ist) hat, jedenfalls laut »Figaro«, mit seinen schmalen Kleidern für das Haus Chloe nun »den Himalaya seines Erfolgs« erklommen.
Da Stoffe und Verarbeitung immer edler werden und die 2000-Mark-Grenze längst durchbrochen ist, nannte die »Herald Tribune« die Wintermode treffend: »Der große Zaster-Look«.