Gut gedribbelt - DER SPIEGEL
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PHILOSOPHIE Gut gedribbelt

• aus DER SPIEGEL 8/2002
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Sie kommen aus der Tiefe des Raumes, sind Meister im Schönreden von Niederlagen, schießen oft Eigentore, aber bei guter Kopfarbeit schaffen sie auch mal einen Auswärtssieg: Philosophen und Fußballer haben viel gemeinsam. Das brachte den Bonner Kulturhistoriker Stephan Geiger, 34, auf die Idee, die »großen Trainergestalten« der Denk-Geschichte einmal systematisch zu würdigen. Herausgekommen ist eine vergnügliche »kleine Philosophiegeschichte des Fußballs« ("Sokrates flankt!«, Parerga Verlag, Düsseldorf), die mit intellektuellen Steil- und Doppelpässen brilliert: Kaum hat beispielsweise Sokrates seine Athener Mannen gelehrt, man müsse »stets das Wesentliche vom Unwesentlichen genauso trennen wie den Ball vom Gegner«, da übertrumpft ihn sein Schüler Platon mit der »Idee des schönen Spiels«. Michel de Montaigne, wegen seiner »uneitlen Spielanalysen« als »Günter Netzer des 16. Jahrhunderts« gerühmt, bildet die Vorhut einer ganzen Riege von Helden: Kant etwa, »der einflussreichste Provinz-Coach der Fußballgeschichte«, der sich nie aus dem entlegenen Königsberg abwerben ließ; Schelling, dessen »angetäuschte Dribblings, geschlenzte Außenristbälle und schnelle Drehungen« alle Gegner sprachlos machten; oder Schopenhauer, für den der Wille allein das Spiel entschied. Beim fröhlichen Gedankenkicken findet Geiger ganz nebenbei die bislang eleganteste Umschreibung für den so genannten Nominalismus: »Auf dem Papier sind wir schon Meister, was kümmert uns der Rest?« Und wen das nicht überzeugt, der kann sich an den Lieblings-Halbzeitspruch des legendenumwitterten Vorsokratikers Heraklit halten: »Ihr geht nie zweimal in dasselbe Spiel.«

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