Hans Modrow, 95 - Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Hans Modrow, 95

• aus DER SPIEGEL 8/2023
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teutopress / SZ Photo

Auf den ersten Blick war er ein SED-Funktionär wie viele andere. 1928 im pommerischen Jasenitz geboren, arbeitete er nach dem Krieg als Maschinenschlosser, trat in die SED ein und besuchte rote Kaderschmieden. Er wurde rasch ein Genosse mit allerlei Posten und Zuständigkeiten, Chef einer SED-Kreisleitung in Berlin, Mitglied des Zentralkomitees, SED-Bezirkschef in Dresden. Aber Hans Modrow war kein Bonze, der sich vor dem eigenen Volk versteckte. Er lebte bescheiden, ein gerader Typ, so hieß es, mit einem Blick für die Realitäten und gelegentlichen Differenzen mit den obersten Genossen in Berlin. So ruhten im Herbst 1989 nach dem Sturz Erich Honeckers viele Hoffnungen auf Modrow. Im November des Jahres wurde er Ministerpräsident der DDR, der letzte mit Parteibuch der SED. Seine Regierung bemühte sich um Reformen, aber dafür war es längst zu spät. Die DDR hat er in dieser Zeit – was nicht ganz leicht war – halbwegs stabilisiert. Ähnliches versuchte er mit seiner Partei. Er war maßgeblich an der Umgründung der Staatspartei von der SED zur PDS beteiligt. Modrow wurde Bundestagsabgeordneter, zog ins Europaparlament ein, aber seine Leidenschaft galt der Partei. Der Reformer, der die DDR durchaus kritisch bewertet hatte, wurde im Alter immer mehr zum Hardliner. Er fühlte sich ungerecht behandelt von jenen Politikern des Westens, die ihn vor dem Mauerfall in Dresden besucht hatten, nun aber mieden. Hans Modrow starb am 10. Februar in Berlin.

STB
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