Haste Töne - DER SPIEGEL
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AUTOMOBILE / MOTOR-SOUND Haste Töne

• aus DER SPIEGEL 33/1970
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Wenn man drauftritt«, so schilderte einst der Stuttgarter Porsche-Baron Fritz Huschke von Hanstein den Sportwagen Porsche 911, »muß er schießen.« Doch Schießen allein genügt nicht, er muß auch tönen -- und zwar »giftig«.

So jedenfalls nennt Porsches Hausjournal »Christophorus«, das in seiner neuesten Ausgabe dem Leitton deutscher Sportwagen-Geltung einen Leitartikel widmet, die Arbeitsgeräusche eines hochdrehenden Porsche-Sechszylindermotors. Und wer bisher nicht recht gewußt haben mag, wie er die arteigene Zuffenhausener Hausmusik -- teils Kreissäge, teils Posaune -- deuten solle, dem hat »Christophorus« jetzt endgültig die Ohren geöffnet: Porsche-Fahrer wie Porsche-Lauscher empfänden »eine gewisse Wollust«.

Genau diesen Effekt bescheinigt freilich Automobil-Schriftsteller Rico Remberg in seinem kraftfahrttechnischen Aufklärungsbuch »Sex auf Rädern« auch vielen anderen kernig tönenden Triebwerken*. »Es gibt tatsächlich eine ganz bestimmte Frequenz und Klanglage sachverständig abgestimmter Auspuffgeräusche« die von wundersamer Wirkung auf gewisse Nervenstränge sind«, fand der Benzin-Kolle. Was früher Altkanzler Ludwig Erhard mit seinen Pfandbriefen empfahl ("Haste was, biste was"), bewirken Sportwagenfahrer nach Rembergs Erfahrungen eben auch mit akustischer

* Rico Remberg: »Sex auf Rädern. PPS Verlag Stuttgart; 448 Seiten; 25 Mark.

Unterstützung ihrer Motoren -- in Abwandlung des Erhard-Slogans etwa nach dem Motto »Haste Töne, haste Chancen

»Wir haben hier«, so Remberg, »die wohl modernste Art eines balzenden Auerhahns vor uns.«

Motortechniker ersannen immer neue Finessen, um den Sportmotoren die rechten Balztöne zu entlocken. Vor allem konzentrierten sie sich auf die Entwicklung besonderer Auspuffanlagen, eines Systems von Prallblechen und Rohrwindungen« das die stinkenden Abgase ins Freie schleust. Die gewünschten Tonarten lassen sich durch technische Kunstgriffe abstimmen.

So entwickelte sich beispielsweise ein typisch britischer Sportwagen-Sound, den schon im Leerlauf ein verhalten-drohendes Blubbern kennzeichnet. Ähnlich, dennoch unverkennbar alarmierender, röhren die auf südländischen Geschmack getrimmten italienischen Sportmotoren aus ihren Auspuffrohren. Sportwagenanhänger schätzen vornehmlich den Ton der Alfa-Romeo-Wagen. Das Modell Giulia Super erzeugt ihn nach Ansicht von Kennern besonders klangvoll.

Ein weiteres Alfa-Modell, die Berlina 1750, hatte sich zunächst »als akustischer Fehlschlag erwiesen. Die Ingenieure mußten langwierige« zusätzliche Entwicklungsarbeit leisten, um den Typ auf jenen Tonfall abzustimmen, der bei Alfa Romeo zum Markenzeichen gehört. Ein Alfa-Manager: »Ein Alfa muß klingen wie ein Alfa.«

Doch wie immer sie auch trompeten, blubbern und brummen mögen -- der »911-Sound« ist laut »Christophorus« unverwechselbar. Im Vergleich vor allem zu »diesen südländischen Motorgeräuschen« sei sein Lärm »in sich vielfältiger, satter, tönender«. Und eben »giftig«, denn: »Eine Giftschlange muß giftig sein, möglichst sehr giftig, sonst erfüllt sie nicht Ihren Daseinszweck als Giftschlange.«

Tragisch ist nur, daß die Porschefahrer selber von der giftigen Akustik ihrer eigenen Sechszylinder-Schlange normalerweise nur wenig zu hören bekommen. Manche fahren daher mit geöffnetem Fenster. Einer verriet: »im Tunnel ist's am schönsten.«

Doch ob das Porsche-Sextett wirklich Sex-Signale durch den Auspuff jagt, scheint fraglich zu sein. Autotester Fritz Busch jedenfalls, der gewöhnlich Sex in jeder Kurve wittert, vernimmt aus dem luftgekühlten Porsche-Triebwerk nur »die Sprache des weithin gefürchteten Versandhaus-Rasenmähers«.

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