Heikle Konserven - DER SPIEGEL
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MUSIKINDUSTRIE Heikle Konserven

• aus DER SPIEGEL 41/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Digitale Raubkopien machen der Musikindustrie derzeit schwer zu schaffen - jetzt müssen sich Plattenfirmen selbst dem Vorwurf stellen, CDs mit Aufnahmen aus der Vor-CD-Zeit zu vertreiben, ohne die Rechte daran zu besitzen. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheidet voraussichtlich Ende dieser Woche in einem Streit, den Musiker der deutschen Siebziger-Jahre-Rockbands Atlantis und Grobschnitt mit Universal Music und Mercury Records führen. Die Verfahren könnten Auswirkungen auf die ganze Branche haben. Denn viele alte Plattenaufnahmen werden mittlerweile auf CD neu aufgelegt - oft auf unsicherer Rechtsgrundlage, denn die alten Plattenverträge konnten eine solche Nutzung noch gar nicht vorsehen, weil die Compact Disc als Tonträger erst 1983 eingeführt wurde. Die Musiker berufen sich darauf, dass die CD als »noch nicht bekannte Nutzungsart« von solchen Verträgen nicht erfasst wurde. Die beklagten Firmen halten dagegen, die CD sei keine neue Nutzungsart, sondern stelle »bei der Belieferung des Endverbrauchers mit ,Tonkonserven' seiner Wahl lediglich den derzeitigen Stand der Technik dar«. Mit Verweis darauf, dass CDs praktisch ohne Beeinträchtigung Hunderte Male kopiert oder wiedergegeben werden können, hatten allerdings die Vorinstanzen den Musikern Recht gegeben und die digitalen Silberlinge als eigene Nutzungsart angesehen.

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