»Heller, voller Klang« - DER SPIEGEL
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MUSIK »Heller, voller Klang«

Der elsässische Orgelbauer Daniel Kern, 52, über seine erfolgreiche Bewerbung für den Neubau der Dresdner Frauenkirchen-Orgel und die Beendigung des jahrelangen Orgelstreits
• aus DER SPIEGEL 10/2003
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SPIEGEL: Herr Kern, endlich hat der Stiftungsrat entschieden: Die Dresdner Frauenkirche bekommt eine Straßburger Orgel, die Sie bauen werden. Ist eine französische Orgel in Dresden nicht ein Affront gegen die ganze sächsische Orgelbauertradition?

Kern: Nein, im Gegenteil. Zum einen hatte die sächsische Firma Eule ihre Bewerbung kurzfristig zurückgezogen. Zum anderen lässt unsere Werkstatt den Geist Sachsens aufleben, denn wir arbeiten im Stil von Gottfried Silbermann, dem berühmten sächsischen Barockorgelbauer.

SPIEGEL: Sie bauen aber keine reine Silbermann-Orgel.

Kern: Das ist nicht möglich. Die Silbermann-Orgel in der Frauenkirche wurde 1945 vollständig zerstört. Eine puristische Reproduktion wäre nur ein matter Abglanz der Vorgängerin. Außerdem wäre das musikalische Repertoire stark eingeschränkt auf Barockmusik.

SPIEGEL: Sie bieten also ein Konzept in einer Mogelpackung an - ein bisschen à la Silbermann, ein bisschen modern?

Kern: Unser Projekt heißt »Brückenbau«, wir verbinden französische und sächsische Tradition. Die neue Orgel mit einem Schwellwerk wird 65 statt 43 Register auf vier statt auf drei Manualen haben und insgesamt heller und voller klingen als das Original.

SPIEGEL: Das dürfte die finanzstarke Pro-Silbermann-Fraktion nicht versöhnen. Wer zahlt die 1,5 Millionen Euro für die neue Orgel?

Kern: Die Stiftung hat uns die Übernahme der Kosten zugesagt.

SPIEGEL: Dennoch müssen Sie sich sputen: Die Frauenkirche soll am Reformationstag 2005 eingeweiht werden.

Kern: Wir sind 20 Fachleute, die die Orgel hier in Straßburg anfertigen, bevor sie nach Dresden kommt. Das ist zu schaffen.

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