Henner Misersky, 82 - Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Henner Misersky, 82

• aus DER SPIEGEL 34/2023
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ari / IMAGO

Eigentlich sollte er über seine Gefühle als stolzer Vater und Trainer reden. Doch als Henner Misersky 1992 in einem Fernsehstudio Platz nahm, nachdem seine Tochter Antje Biathlon-Olympiasiegerin über 15 Kilometer geworden war, nutzte er den Auftritt für eine bemerkenswerte Kritik. Nach der Wiedervereinigung seien zahl­reiche Trainer, Betreuer und Funktionäre des DDR-Sports mit Doping- und Stasivergangenheit übernommen worden, erinnerte Misersky. Er selbst hatte lange in diesem System gewirkt: Misersky, 1940 in Jena geboren, war 3000-Meter-Hindernisläufer, studierte Sportwissenschaften, arbeitete als Trainer im Skilanglauf – bis er 1985 suspendiert wurde. Er weigerte sich, Nachwuchssportlerinnen gemäß dem DDR-Staatsplan Dopingmittel zu verabreichen. Nach der Wende zählte Misersky zu den lautesten Stimmen im Anti-­Doping-Kampf, 2012 wurde er in die »Hall of Fame des deutschen Sports« aufgenommen. Spät brach er mit dem von ihm mitgegründeten Verein Doping-Opfer-Hilfe im Streit um die Frage, wer als Opfer des DDR-Dopingsystems angesehen werden sollte. »Auf­klärung tut not«, schrieb Misersky einmal an den SPIEGEL. Er hat seinen Teil dazu beigetragen. Henner Misersky starb in der Nacht auf den 12. August in Ilmenau.

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