Hexenjagd - DER SPIEGEL
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Kino Hexenjagd

»Schuldig bei Verdacht«. Spielfilm von Irwin Winkler. USA 1991. 105 Minuten; Farbe.
• aus DER SPIEGEL 33/1991
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Zeiten vaterländischen Hochgefühls sind Zeiten der Selbstgerechtigkeit und der eifernden Intoleranz: Die neue amerikanische Siegerstimmung zeigt, in der Diffamierung von Pazifisten, Züge davon. Kein schlechter Zufall also, daß eben jetzt ein Film dem nationalen Stolz die Erinnerung an nationale Verfinsterungen entgegenhält, die Erinnerung an Gesinnungsschnüffelei, Denunziation und Verketzerung im Kalten Krieg, als der populistische Senator McCarthy und das Komitee gegen unamerikanische Umtriebe zur Hatz auf Kommunisten und Sympathisanten aufriefen.

Hollywood war damals ein prominentes Ziel dieser Verleumdungskampagnen mit antisemitischem Beigeschmack: Zehn Filmleute, die sich dem Druck nicht beugen wollten, kamen ins Gefängnis und dann auf Boykottlisten, Hunderte von Existenzen wurden gebrochen, Regisseure wie Chaplin, Losey, Dassin oder Polonsky entzogen sich durch Emigration den unamerikanischen Umtrieben des McCarthyismus.

Weil zu viele zu unrühmlich bei den Anschwärzungs- und Ausgrenzungsritualen mitgemacht hatten, erinnert sich Hollywood ungern daran. Filme zum Thema sind rar. Für »Schuldig bei Verdacht« spricht die Redlichkeit der Absichten und Mittel: Der Erfolgsproduzent Irwin Winkler hat sich der ungeliebten Geschichte so entschlossen angenommen, daß, nach einigen Umwegen, das Debüt des Sechzigjährigen als Autor und Regisseur daraus wurde.

Am Anfang stand ein autobiographisches Drehbuch des Ex-Kommunisten und Hexenjagd-Opfers Abraham Polonsky, bei dem der Franzose Bertrand Tavernier Regie führen sollte; doch als Winkler das Projekt übernahm, veränderte er es so wesentlich, daß Polonsky nicht mehr als Urheber genannt sein wollte: Winklers Kinoheld ist durch und durch unpolitisch.

Mit guten Gründen hatten viele amerikanische Künstler und Intellektuelle zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs oder der amerikanisch-sowjetischen Waffenbrüderschaft mit linken Ideen sympathisiert und linke Organisationen unterstützt - daß sie nach dem Krieg für ihren Antifaschismus als Staatsfeinde kriminalisiert wurden, war die Niedertracht der McCarthy-Strategie.

Der Held von »Schuldig bei Verdacht« jedoch, ein berühmter Hollywood-Regisseur (Robert De Niro), war offenbar nie von den Kämpfen jener Zeit berührt. Aus dem puren Anstand des Unbetroffenen lehnt er es ab, sich als guter Amerikaner zu beweisen, indem er ein paar Bekannte als Kommunisten denunziert. Daß er dafür bestraft wird, verkleinert die Inquisition zum Justizirrtum.

Winklers Film ist ehrgeizig, eindringlich in Details, bewegend durch De Niros Kraft der Empörung und steht doch ganz in der Tradition der Schlappheit des liberalen Hollywood-Gesinnungskinos: Er präpariert sich einen moralisch lupenreinen Modellfall, der es erlaubt, mit großem rhetorischen Schwung offene Türen einzurennen.

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