Am Rande Hinterm Mond
Alles, was man im Leben braucht, ist eine gute Idee. Dann kann man sich zur Ruhe setzen und von den Einnahmen leben. Aber wirklich gute Ideen sind rar, und sie werden immer rarer. In den sechziger Jahren genügte es noch, Berliner Luft in Dosen abzupacken oder Jordanwasser auf Flaschen zu ziehen, heute muss man sich schon kräftig strecken, wenn man mit wenig Aufwand ordentlich Kasse machen möchte. Eine Internet-Firma bietet jetzt »Mondgrundstücke« an, 700 000 Quadratmeter große Parzellen für nur 49 Mark das Stück, das macht noch nicht einmal einen Pfennig pro Quadratmeter. Für ein Eigenheim mit Garten wären 1000 Meter im Quadrat mehr als genug. So günstig sind Immobilien noch nicht einmal im Altmühltal zu haben, und das liegt schon weit hinterm Mond. Die Anbieter raten deshalb zur Eile. »Warten Sie nicht länger und sichern Sie sich Ihr Stück vom Mond, bevor es ein anderer tut oder die Preise plötzlich anziehen!« Denn auch auf dem Mond gelten die Regeln von Angebot und Nachfrage. »Über 50 000 Mondgrundstückbesitzer« seien schon registriert. Das heißt: Die tüchtigen Mondmenschen haben über zweieinhalb Millionen Mark eingenommen, ohne nennenswerte Investitionen, ohne Risiko, ohne Folgekosten. Es sind Genies des E-Business, die Alchemisten des 21. Jahrhunderts. Vorbilder für die nächste Generation der Internet-Explorer. Wenn der Mond ausverkauft ist, kommt der Mars dran, und irgendwann werden Teile der großen roten Kugel zum Kauf angeboten: »Ein Platz an der Sonne«, billiger als eine Eintrittskarte für die Expo in Hannover und ganz ohne Stress bei der Anreise. Denn das All kennt keine Grenzen, und die Dummen auf Erden werden nicht alle.