Hippie und Spinathasser - DER SPIEGEL
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KUNST Hippie und Spinathasser

• aus DER SPIEGEL 32/2000
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Auf die Ehe hat sich der Maler und Grafiker Gert Wollheim (1894 bis 1974) offenbar nicht gefreut: Sein »Selbstbildnis mit Braut«, 1921 als chaotisch buntes Aquarell entstanden, zeigt ihn mit knallrotem Kopf und wirr abstehenden Haaren, den Mund zum grimmigen Rechteck verzogen. Kein Wunder, dass die Zukünftige resigniert die Augen schließt. Auf dem ebenso brachialen Blatt »Spinatesser«, auch von 1921, fliegen sogar Messer, Gabel und Teller durch den Raum. Beide Bilder stammen aus Wollheims Düsseldorfer Zeit, erst nach 1925 in Berlin wurde sein Stil sachlicher. In den frühen zwanziger Jahren aber war er gerade dabei, sich von seinem spätexpressionistischen Stil zu lösen, um sich dem Dadaismus und dann dem Surrealismus anzunähern - stets mit dem Ziel, gegen das spießige Bürgertum zu rebellieren. Er erinnerte sich später, dass er wie ein früher Hippie ausgesehen habe, mit »Schuhen, dass die Zehen herausguckten«. Nach der Machtergreifung durch die Nazis floh Wollheim nach Frankreich, 1947 zog er nach Amerika. Das August Macke Haus in Bonn zeigt nun viele zuvor noch nicht ausgestellte Werke, darunter die beiden Selbstporträts, der Katalog enthält bislang unveröffentlichte Texte des begabten Phantasten (bis 22. Oktober).

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