Ian Wilmut – Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Ian Wilmut, 79

• aus DER SPIEGEL 38/2023
Foto:

Sutton Hibbert / Shutterstock

Das Schaf »Dolly« hat ihn weltberühmt gemacht. Der Brite war Chef einer Forschergruppe, die 1997 eine Sensation verkündete: Zum ersten Mal hatten Wissenschaftler ein Säugetier aus reifen Zellen geklont. Bis dahin galt es in der Biologie als ausgemacht, dass es unmöglich sei, ein genetisch identisches Tier aus ausdifferenzierten Körperzellen entstehen zu lassen. Mit einem Euter vom Schlachthof und Hunderten Fehlversuchen bewies das Team um den Embryologen Ian Wilmut das Gegenteil. »Dolly« sorgte international für Aufsehen, für Hoffnung und Entsetzen. Jetzt erschien es möglich, tote Lieblingshunde, kostbare Zuchthengste und Exemplare aussterbender Arten beliebig oft zu kopieren. Die Kirchen aber verurteilten den »unzulässigen Eingriff in die Schöpfung«, der damalige US-Präsident Bill Clinton sprach von »äußerster Besorgnis«, und viele Kritiker warnten, dass nach diesem Dammbruch bald auch der Mensch selbst geklont werde. Wilmut sprach sich entschieden gegen solche Versuche aus und betonte, dass das Klonen noch für lange Zeit kein sicheres und zuverlässiges Verfahren sein werde. Wie zum Beweis musste »Dolly« 2003 mit nur sechs Jahren eingeschläfert werden. Das Schaf litt schon in jungen Jahren an Arthritis, was vermuten ließ, dass Klone doch vom Alter ihres DNA-Spenders geprägt werden könnten. Lange bekannt als »der Schöpfer von ›Dolly‹«, musste Wilmut später einräumen, dass seine Mitarbeiter, allen voran der Zellbiologe Keith Campbell, eher noch größere Verdienste um die Entwicklung des Klonverfahrens hatten. Ian Wilmut starb am 10. September an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung nahe Edinburgh in Schottland.

me
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